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IMPULSE

Die Evangelische Akademie Frankfurt steht dafür, aktuelle Entwicklungen zu reflektieren, protestantische Perspektiven zu erarbeiten und zur Demokratisierung unserer Gesellschaft beizutragen.

Seit vielen Jahren bemühen wir uns, diese Ziele in unseren Veranstaltungen zu vermitteln – sei es in den Bereichen Kultur & Medien, Wirtschaft & Recht, Religion & Politik, Theologie & Kirche, Europa & Jugend, Kunst & Stadt, Naturwissenschaft & Technik oder Medizin & Ethik.

Darüber hinaus möchten wir auch jenseits unserer Veranstaltungen zum Nachdenken anregen und Debatten über aktuelle Themen anstoßen. Deshalb verfassen unsere Studienleiter regelmäßig Impulstexte, die Sie in unseren monatlichen Newslettern (Anmeldung hier) lesen können: prägnant – pointiert – diskussionsoffen.

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen die Impulstexte zur Nachlese bereitstellen. Klicken Sie einfach auf den Download-Button und laden Sie die Texte als PDF-Datei aus dem jeweiligen Jahr und Monat herunter.

Wir wünschen Ihnen ein anregendes Lesevergnügen und freuen uns auf Ihr Feedback!

Neustart Demokratie / Neustart Evangelische Akademie
– Eine transatlantische Perspektive

"Wenn Du es leid bist, mit Fremden im Internet zu streiten, dann versuch doch mal, mit einem davon im wirklichen Leben zu sprechen."

- Barack Obama, Abschiedsrede am 11. Januar 2017

 

 

Selten zuvor traten die Folgen gesellschaflicher Polarisierung so drastisch zutage wie mit der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten im November vor einem Jahr.

Impulstext von Dr. Margrit Frölich - Oktober 2017

Was von „Luther“ bleiben sollte

Endspurt in der „Reformationsdekade“: Nur wenige Wochen sind es noch bis zum 31. Oktober 2017, dem einmaligen Feiertag, an dem Staat, Gesellschaft und Kirchen in der Bundesrepublik sich an das Ereignis „Reformation“ erinnern, das sich symbolisch an jenem 31. Oktober 1517 festmachen lässt: dem Tag, an welchem Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses veröffentlichte. Dass er sie eigenhändig an die Tür der Wittenberger
Schlosskirche genagelt hätte, mit wuchtigen Hammerschlägen gar, das wird heute bezweifelt. Dass er sie jedoch versandte und sie eine breite Öffentlichkeit erreichten, das ist ebenso unstrittig wie die bekannten historischen Folgen. Zu diesen gehört wesentlich die Entstehung evangelischer Kirchen.

Impulstext von Dr. Eberhard Pausch - September 2017

Mehr Kunst im öffentlichen Raum. Ein Plädoyer

Mitte Juni nahm ich an einer Veranstaltung anlässlich des Anne-Frank-Tages in Frankfurt am Main teil, bei der es um die Frage von Kunst im öffentlichen Raum ging, einer Frage, der wir auch in der Akademie immer wieder nachspüren. Der öffentliche Raum wird zunehmend vereinnahmt, Freiräume werden beschnitten. Argumentiert wird dabei zum einen mit Erfordernissen der öffentlichen Sicherheit gegenüber einer wachsenden Terrorgefahr und damit einhergehend dem Wunsch nach einer stärkeren Überwachung des öffentlichen Raumes. Es sind aber auch handfeste ökonomische Gründe, die den öffentlichen Raum der Stadt einschränken, ihn zunehmend kommerzialisieren und privatisieren lassen, ein Phänomen, das vor allem in den Citys, den absoluten Innenstadtlagen der Großstädte und Ballungsräume zu beobachten ist.

Impulstext von Christian Kaufmann - August 2017

Zellen der Freiheit

„Freiheit“ ist ebenso hohes und wertvolles wie vielschichtiges und schwieriges Gut. Jeder will frei sein, niemand unfrei. Zentrale Freiheitsrechte wie Handlungs-, Gewissens-, Religions-, Meinungs-, Versammlungsfreiheit u.a. sind als Schutz des Einzelnen auch gegenüber dem Staat bewusst an den Anfang des Grundgesetzes gestellt – als Basis einer freiheitlichdemokratischen Grundordnung. Auch theologisch steht Freiheit zugleich am Anfang und im Zentrum des Glaubens. Der Exodus, die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, stellt die Urerfahrung des jüdischen Glaubens am Anfang der Geschichte des Volkes Israels dar. Das Kreuz Christi ist das christliche Symbol der Freiheit von Sünde, Tod und Teufel. Anknüpfend vor allem an Paulus hat Luther seine Schrift von der „Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) formuliert – mit der paradoxen Doppelpointe: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller
Dinge und niemanden untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.“
Das erste gilt, da er in Christus im Glauben lebt und „über sich“ in Gott fährt; das zweite, da er in der Liebe im Nächsten lebt und aus Gott „unter sich“ fährt.

Impulstext von Dr. Thorsten Latzel - Juni 2017

Die Entzauberung der Welt

In den aktuellen medizinethischen Debatten ist ein „Unbehagen an der Kultur“ spürbar. Neben sorgenvolle Bedenken treten hier jedoch auch hoffungsvolle Ausblicke und die Wiederbesinnung auf frühere Entdeckungen. So hatte sich kürzlich eine Konferenz in den USA mit dem Verhältnis von „Medizin und Religion“ beschäftigt und dabei in ihrer thematischen Ausrichtung auf den deutschen Soziologen und Ökonom Max Weber zurückgegriffen, der bereits vor knapp 100 Jahren die „Entzauberung der Welt“ prognostiziert hatte. Was Weber damals zuerst 1917 in seinem Vortrag und zwei Jahre später in seiner Veröffentlichung „Wissenschaft als Beruf“ ansprach, hat sich über das letzte Jahrhundert in der westlichen Welt nachdrücklich entfaltet:

Impulstext von Dr. Kurt W. Schmidt - Mai 2017

Das Postfaktische nicht fürchten:
Beiträge zum Projekt einer doppelten Aufklärung

Die Vernunft ist derzeit weltweit in der Defensive. „Postfaktisch“ wurde in Deutschland zum „Wort des Jahres“ 2016 gewählt, so wie kurz zuvor „post-truth“ für den englischen Sprachbereich. Das Wort bezeichnet unter anderem die Verbreitung von gezielten Falschinformationen und Verschwörungstheorien im Internet und in sozialen Medien, die Millionen Menschen das Gehirn vernebeln. Hinzu kommen „alternative Fakten“, ein anderes Wort für
wahrheitswidrige Propaganda. Wahrheit und Unwahrheit, Fakten und Fiktionen sind für viele Menschen heute kaum noch unterscheidbar. Daran hat das Internet, haben social media ihren Anteil an Schuld. Politisch bildet sich diese Situation etwa im Sieg des USamerikanischen Milliardärs Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA mit all seinen problematischen Folgewirkungen ab.

Impulstext von Dr. Eberhard Pausch - April 2017

GROSSE WORTE, GROSSE WIRKUNG?

Wir erleben eine Zeit, in der das gesellschaftliche Zusammenleben auf vielen Ebenen vor Herausforderungen steht. Es ist nicht das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, dass es so ist – und es wird nicht das letzte Mal sein. Nichtsdestoweniger und als Kinder unserer Zeit erfordert es die aktuelle Lage, aktiv zu werden. Ein schlichtes „Weiter so!“ geht nicht.

Impulstext von Hanna-Lena Neuser - März 2017

 

Metaphysik

Metaphysik lautete der Titel der letzten Ausgabe der Quartalszeitschrift „Kunst und Kirche“ im Dezember 2016. „Metaphysik“, schrieb Hannes Langbein im Editorial zu dieser Ausgabe, „bedeutet Grenzüberschreitung: über die Physis, über die sinnliche Wahrnehmung der materiellen Welt hinaus… - Dennoch oder gerade deshalb haben sich Menschen – zumal Philosophen und Theologen – immer wieder darangemacht, diese Grenzen zu überschreiten, auf der Suche nach einem großen Ganzen, nach ersten Gründen, zeitlosen Prinzipien, nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält“.

Impulstext von Christian Kaufmann - Februar 2017

„Gnade“: Woraus leben wir

„Gnade“ ist ein eigenartiger, etwas verstaubter Begriff, aus den Kellerräumen des kollektiven Sprachgebrauchs. Er kommt meist nur noch in pathetischen Film-Szenen („Gnade!“) oder altertümlichen Wendungen vor: Gnaden-Brot, Gnaden-Gesuch, Gnaden-Frist, ... . Sein Gegenteil ist da schon eher vertraut, etwa bei Akten gnadenloser Gewalt. Zugleich reden wir aber auch von Gnade, wenn es um Erfahrungen außerordentlichen Glücks geht: etwa die besondere Begabung eines begnadeten Künstlers oder das überwältigende Geschenk, wenn einem ein Kind geboren wird.

Impulstext von Dr. Thorsten Latzel - Januar 2017

„Lutherjahr“ 2017: Ein wenig Melanchthon tut uns allen gut!

Wer in einer evangelischen Akademie arbeitet, steht immer auch in der Tradition des großen Humanisten und Reformators Philipp Melanchthon (1497-1560). Dieser war ohne Zweifel der beste Freund Martin Luthers (1483-1546). Und ihre Freundschaft war eine zwischen ebenbürtigen Personen, die in der Geistesgeschichte einen vorderen Rang einnimmt. In dieser Freundschaft war Luther der Ältere, der Führende, der Prophet und Charismatiker. Melanchthon war der Jüngere, der Geführte, der überragende Wissenschaftler und pedantische Arbeiter. Beide lernten sich kennen, als der junge Gelehrte 1518 an die Wittenberger Universität berufen wurde. Er galt zu diesem Zeitpunkt als Wunderkind, war humanistisch hoch gebildet und unglaublich sprachbegabt. Luther beherrschte zwar das Lateinische recht gut, aber Melanchthon war in allen Sprachen brillant und lehrte Luther auch das Griechische. Im Hebräischen überragte er Luther weit, so dass dieser immer wieder aus dem philologischen Füllhorn des Jüngeren schöpfte. Luther hatte sich 1517 mit seiner Kritik am Ablass weit vorgewagt.

Impulstext von Dr. Eberhard Pausch - Dezember 2016

Enhance yourself! – von der Selbstliebe zum Selbstbild zur Ethik des Friedens

Der Dalai Lama: ein Mann, der ein Geflüchteter ist. Ein Mann, der seine Heimat verließ, vertrieben, bedroht, verfolgt. Er betet für seine Feinde und politischen Gegner. Er lebt Nächstenliebe auf sehr eindrückliche Weise. Und was mich besonders berührt: Er bringt dies mit einer Leichtigkeit zum Ausdruck, er lacht viel, er erscheint so unglaublich unverbittert, dass es kaum zu fassen ist. Wie macht er das? Könnte man lernen, ein bisschen zu sein wie er? Umfragen zeigen, dass er für über 20 Prozent der Deutschen ein geistiges Vorbild ist.
Vorbilder: Was machen wir mit ihnen? Wir suchen sie uns manchmal gar nicht aus. Sie sind einfach da. Sie faszinieren uns und mir geht es manchmal so, dass ich zunächst gar nicht genau weiß, warum diese Personen so beeindruckt.

Impulstext von Hanna-Lena Neuser - November 2016

 Gärtner - Mörder – Gott

Gott und der Ursprung des Bösen im Krimi

Ich wälze die Verantwortung ab. Aus dem gleichen Grund greifen die Menschen, die abends beruhigt einschlafen wollen, zu einem Krimi, weil er eine der großen metaphysischen Fragen befriedigt: Whodunit? – „Wer war’s?“ Das betrifft die Bibel ebenso wie den Krimi. In der Bibel ist das Problem hochkomplex, im Krimi ist die Lösung einfach.“

Die eingangs zitierten Worte von Umberto Eco stammen aus einem Interview mit der ZEIT im Herbst letzten Jahres (2015/39). Sie beschreiben die enge Beziehung zwischen Bibel und Krimi im Blick auf die Wirklichkeit des Bösen - und dem Versuch seiner Bewältigung durch Klärung der Schuldfrage.

Die Popularität des Kriminalromans ist augenfällig: Schätzung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zufolge ist jedes vierte Buch, das über den Ladentisch geht, ein Krimi und jeder dritte Euro im Bereich von Belletristik wird mit Mord und Totschlag verdient. Doch wie sieht die Lösung der Krimis eigentlich aus und ist sie tatsächlich so einfach? Wie verhält sie sich zu biblischen Deutungsmustern? Und auf wen zielt die Frage „Wer war’s?“ eigentlich genau: Auf den menschlichen Verbrecher, der so etwas tut, auf den allmächtigen und allgütigen Gott, der so etwas zulässt, oder auf die Strukturen, die Erziehung oder die Gesellschaft, die zu so etwas führen?

Impulstext von Dr. Thorsten Latzel - Mai 2016