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13.10. - 15.10.2006 (Fr-So) TgNr. 066141
Die Nachwirkungen der Nazizeit aus heutiger Sicht

Spurensuche im Medium familialer Erinnerung

Tagung ist ausgebucht

Eine Mentalitätsgeschichte des Nationalsozialismus und seiner lang anhaltenden Folgen und Wirkungen müsse noch geschrieben werden, konstatiert der Historiker Wolfgang Benz. In jüngerer Zeit sind eine Reihe lesenswerter Publikationen erschienen, die als Teilstücke einer solchen Mentalitätsgeschichte gelten können. Gemeinsam ist ihnen, dass es sehr persönliche Auseinandersetzungen sind, die sich kritisch mit der NS-Vergangenheit der eigenen Familie beschäftigen. Oft sind es die Nachkommen der namhaften Täter, gelegentlich die von eher unbekannten Akteuren im Getriebe des NS-Regimes, die in der individuellen retrospektiven Konfrontation mit der Beteiligung und Schuld ihrer Vorfahren ein Thema öffentlich machen, das für viele deutsche Familien seit Ende des Zweiten Weltkriegs elementare Bedeutung hat, doch bis heute von starken Tabus behaftet ist und bisher selten über den innerfamiliären Horizont hinaus gelangte. Neben der zweiten Generation ist unterdessen eine dritte Generation hinzugekommen, die den biographischen Folgen des Nationalsozialismus nachspürt, die familiären Prägungen und weltanschaulichen Einstellungen hinterfragt und dabei den eigenen Erinnerungs- bzw. Annäherungsprozess zum Gegenstand der Reflexion macht. Dass derzeit die Geschichte des Nationalsozialismus stärker als bisher als Teil der eigenen Familiengeschichte ins Blickfeld rückt, hat möglicherweise mit dem erneut stattfindenden Generationswechsel zu tun. Ungeachtet dessen, ob es sich um die Generation der Kinder oder der Enkel handelt - für viele, die jetzt an die Öffentlichkeit treten, scheint mit dem zunehmendem zeitlichen Abstand zu den historischen Ereignissen und dem Sterben der letzten noch lebenden Zeitzeugen der Tätergeneration eine solche Erkundung der eigenen Familiengeschichte überhaupt erst möglich geworden zu sein.

Im Mittelpunkt der Tagung stehen einige der neueren Bücher, deren Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Protagonisten im Beziehungsgeflecht der eigenen Familie als exemplarisch gelten kann. Indem die Autoren und Autorinnen die nationalsozialistische Vergangenheit als Familiengeschichte und damit als Teil der eigenen Gegenwart begreifen, möchten sie sich der eigenen Vorgeschichte und der eigenen Identität vergewissern. Mit ihren Aufzeichnungen eröffnen sie so neue Zugänge zu einer Beschäftigung mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Neben den ausgewählten Büchern, die von den Autoren und Autorinnen vorgestellt werden, beschäftigen sich Fachvertreter aus Geschichte, Theologie und Psychoanalyse mit den Zusammenhängen von Erinnerung und Generation, der Rolle der Kirche als einer gesellschaftlich wirksamen Institution bei der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und mit den psychohistorischen Nachwirkungen des Nationalsozialismus im Wandel der Generationen.

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