26.01. - 28.01.2007 (Fr-So) TgNr. 076131 Möglichkeiten und Grenzen kollektiver Erinnerung Ambvalenz und Bedeutung des Kriegsopfer-Gedenkens
60 Jahre nach dem Ende des II. Weltkriegs stellt sich die Frage nach dem Gedenken seiner Opfer auf neue Weise: Die letzten Zeitzeugen werden in absehbarer Zeit verstorben sein. Aber wie sollen sich nachfolgende Generationen an etwas erinnern, was selbst nicht erlebt wurde? Welche konkreten Erinnerungen sollen und können r auf welche Weise bewahrt werden? Wie können sie gesellschaftlich verankert werden, um so friedenspolitisch wirksam zu werden?
Wir sind gewohnt, vergangene Kriege als nationale Kollektiverfahrungen zu betrachten. Dass das für das Erinnern an NS-Zeit und II. Weltkrieg nicht taugt, liegt auf der Hand. Denn bereits vor dem Überfall auf Polen und dem industriellen Massenmord wurden Deutsche zu Opfern und Vertriebenen des Nazi-Regimes. Und schließlich wurden Deutsche, und nicht nur sie, gewollt oder ungewollt am Krieg Beteiligte, als Opfer und Täter. Die Vielschichtigkeit der unterschiedlichen Kriegserfahrungen macht pauschale Bewertungen demnach unmöglich.
Auch deshalb konzentrierte sich das öffentliche Gedenken in der Bundesrepublik zunächst auf die jüdischen Opfer, für die eine eindeutige Parteinahme möglich war. Daneben wurde öffentlich in weitgehend ritualisierten Formen des Volkstrauertags der getöteten Soldaten gedacht, jedoch meist ohne an die Ambivalenz ihrer Beteiligung an Kriegshandlungen und zum Teil auch -verbrechen zu rühren.
Neben den latenten, teils verdängten Fragen der Verantwortung trug nicht zuletzt der Ost-West-Konflikt dazu bei, dass ein Großteil der Kriegserinnerungen nicht zum Gegenstand öffentlicher Geschichtsarbeit wurde, sondern höchstens als private Leidensgeschichten existierte. Während der Westen die osteuropäischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen kaum in die öffentlichen Kriegstotengedenken einbezog, thematisierte die Erinnerungsarbeit der DDR nur selten das Sterben und Leiden auf der Flucht aus den ehemaligen Ostgebieten.
Eine neue Qualität hat das Gedenken seit den 1990er Jahren gewonnen. Seit Ernennung der Berliner Neue Wache zur „Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland“ wird dort allgemein der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Diese Pauschalisierung birgt zweifellos das Risiko, Kriegs- und Gewalterfahrung in ihrer Vielfältigkeit unsichtbar zu machen. Dass in der Folge mehr und mehr Rufe nach gruppenspezifischen Mahnmalen laut wurden, ist konsequent.
Bei aller Notwendigkeit, sich gesamtgesellschaftlich mit den vielfältigen Bedeutungen von Kriegserfahrung und -tod auseinanderzusetzen, hat kollektives Erinnern auch Grenzen. Die Tagung will diesen auch anhand der Erinnerungs- und Gedenkarbeit des Volksbundes nachgehen. zurück zur Auswahl - Veranstaltungsprogramm - Anmeldung - Materialien
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