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01.06. - 03.06.2007 (Fr-So) TgNr. 078141
Das Gefühl der Gefühle -

Zum Kinomelodram

Kino – das sind nicht nur bewegte Bilder, sondern das sind vor allem Bilder und Geschichten, die uns bewegen, die Empfindungen in uns wecken, Gefühle in uns auslösen, uns zum Lachen oder Weinen bringen. So vielfältig, wandelbar und anpassungsfähig Gefühle auch sein mögen, so flüchtig und unterschiedlich sie auch in ihrer Intensität sind und so sehr man ihnen auch zusetzen und sie unterdrücken kann – nichts ist so hartnäckig und in der menschlichen Existenz so elementar verwurzelt wie die Gefühle. Gefühle sind überall, auch wenn wir sie nicht sehen oder zur Kenntnis nehmen. In den öffentlichen Diskursen führen sie oft nur ein Schattendasein. Im Kino hingegen genießen die Gefühle ein privilegiertes Existenzrecht. Das Kino ist ein prädestinierter Ort, an dem die Zuschauer ihren Gefühlen freien Lauf lassen können. Indem das Kino eine ganz eigene Welt erschafft - eine Projektion im wahrsten Sinne des Wortes - in der die Realität außen vor bleibt, vermittelt sich dem Zuschauer das Gefühl, ganz bei sich zu sein und sich den eigenen Empfindungen ungeniert und genussvoll hingeben zu können.
Während der vergangenen Jahre haben die Arnoldshainer Filmgespräche Bausteine zu einer Affekttheorie des Kinos zusammengetragen. Ob es um das Lachen im Kino ging, das Staunen, die Wut oder die Melancholie – Affekt, Empfindung und Emotion standen stets im Mittelpunkt. Auch die Filmwissenschaft hat eine Trendwende vollzogen, indem sie sich den bisher vernachlässigten Affekten und dem Somatischen neuerdings verstärkt zuwendet und das Gefühlsleben der Zuschauer ins Zentrum ihres Erkenntnisinteresses gerückt hat. Wir nehmen die diesjährigen Arnoldshainer Filmgespräche zum Anlass, dem Gefühl der Gefühle nachzugehen und am Beispiel des Melodrams, das wie kein anderes Filmgenre die Klaviatur der Gefühle beherrscht, danach zu fragen, welche filmästhetischen Gestaltungsmittel das Kino einsetzt und wie es sie moduliert, um beim Zuschauer bestimmte Affekte und Gefühle hervorzurufen.
Darüber hinaus möchten wir gemeinsam mit Ihnen das 25-jährige Bestehen dieser Veranstaltungsreihe zu feiern.

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