06.06. - 08.06.2008 (Fr-So) TgNr. 088343 Made in China - Über das aktutelle chinesische Kino im Kontext gesellschaftlicher Umbrüche Arnoldshainer Filmgespräche
Wenn im August 2008 die Olympischen Spiele in Peking stattfinden, werden sich die Augen der Welt auf China richten; die chinesische und die westlichen Kulturindustrieen werden dann im Zeichen des Sports unmittelbar aufeinander treffen. Schlagzeilen macht China jedoch nicht erst jetzt: sein Aufstieg zum Global Player und die damit einhergehenden gigantischen Modernisierungen der letzten Jahre, aber auch seine Schattenseiten, die Menschenrechtsverletzungen und staatlichen Repressionen, wie jüngst in Tibet, beschäftigen die Weltöffentlichkeit. Nicht nur gesellschaftspolitisch und ökonomisch, sondern auch kulturell befindet sich China seit den 1980er Jahren im Umbruch. In den letzten Jahren ist eine neue Generation von Filmemachern hervorgetreten, die sich auf diesen enormen Umwälzungsprozess und seine Begleiterscheinungen konzentriert. Diese so genannte 6. Generation des chinesischen Kinos steht im Mittelpunkt der Tagung. In ihrem filmischen Diskurs amalgamieren sich westliche und östliche Einflüsse zu einem spannungs- und beziehungsreichen Konstrukt. Als Begleiter und Impulsgeber des sich im Inneren Chinas vollziehenden Transformationsprozesses bieten ihre Filme ungewöhnliche Einblicke in den Alltag der chinesischen Gesellschaft und greifen oft heikle, marginalisierte oder tabuisierte Sujets auf. Politisch wie filmästhetisch gilt das neue chinesische Kino als sensationell; auf internationalen Filmfestivals feiert es große Erfolge, so etwa Beijing Bicycle, der auf der Berlinale 2001 gleich mehrere Preise erhielt, oder Still Life, der Gewinner des Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen 2006 in Venedig. Die internationale Reputation des chinesischen Kinos zeigt wiederum Rückwirkungen auf den Umgang der staatlichen Zensur mit den Filmkünstlern. So haben sich während der letzten fünf Jahre in China die Zensurbedingungen gelockert und den Filmemachern größere Spielräume ermöglicht. Dennoch gibt es immer wieder Filme wie etwa Chen Mo und Meiting, der ohne Genehmigung der Zensurbehörden entstand und an ihnen vorbei zum Internationalen Forum der Berlinale gelangte. Im Rahmen dieser Tagung werden einige Filme des neuen chinesischen Kinos gesichtet und diskutiert, die als exemplarisch gelten können, insofern sie kritische Zustandsbeschreibungen des gegenwärtigen China bieten und zugleich Ausdruck einer individuellen künstlerischen Handschrift sind. Die Filme werden vom Tagungsteam eingeführt und kommentiert.
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