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08.05. - 09.05.2009 (Fr-Sa) TgNr. 091343
Moscheen und Synagogen in Deutschland

Was die Architektur über religiöse Vielfalt, Sichtbarkeit und Integrationsprozesse verrät

Transparent sollen Moscheen sein, die in Deutschland gebaut werden. Diese Forderung wird häufig erhoben. Darin spiegelt sich der Wunsch der Mehrheitsgesellschaft, wissen zu wollen, wer die Menschen sind, die eine Moschee bauen, und was im Inneren der Moschee vor sich geht. Wenn in einer Ortsgemeinde eine Moschee errichtet werden soll, wird darüber jedoch nicht immer direkt gesprochen. Da wird eher darum gestritten, wie hoch ein Minarett sein darf oder ob lieber ganz darauf verzichtet werden soll, weil der Ruf des Muezzins zu laut sein könnte; es wird danach gefragt, ob die Parkplätze ausreichen und wie die Moschee zum gewachsenen Stadtbild passt. Was heute nur noch wenige wissen: Als im Zuge der jüdischen Emanzipation Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Synagogen in Deutschland entstanden, löste dies Debatten aus, wie sie uns heute in den Kontroversen um den Moscheebau begegnen. Damals ging es der jüdischen Minderheit ähnlich wie heute den in Deutschland lebenden Muslimen um gesellschaftliche Anerkennung und gleichberechtigte Religionsausübung. Neben der Betrachtung der Gegenwart werfen wir den Blick auf die Geschichte und fragen danach, inwieweit Wahrnehmungs- und Argumentationsmuster in der Auseinandersetzung um die Errichtung der Synagogen im 19. Jahrhundert Parallelen oder Unterschiede erkennen lassen im Vergleich zu den aktuellen Kontroversen um repräsentative Moscheebauten in Deutschland. Letztere sind nach Auffassung des Politikwissenschaftlers Claus Leggewie hochbrisante symbolische Konflikte, in denen es um kulturelle Hegemonie wie auch um allgemeine Partizipationsrechte geht. Was lässt sich aus dem historischen Rückblick auf die Geschichte des Synagogenbaus und die darin zum Ausdruck gekommene Integrationsleistung der deutschen Juden für die Gegenwart lernen? Wie können die heutigen Konflikte über den Bau von Moscheen zum sozialen und kulturellen Wandel und der gesellschaftlichen Integration der in Deutschland lebenden Muslime beitragen? Wie kann eine interkulturelle Öffnung der Gemeinden und ihrer pädagogischen Einrichtungen gelingen? Und kann die historische Reflexion jener Prozesse in den Bereichen Schule und Bildung Toleranz und kulturelle Offenheit gerade im Bewusstsein der jüngeren Generation nachhaltig verankern? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der Tagung.

Die Veranstaltung richtet sich an Lehrer/innen und Fachkräfte der gesellschaftspolitischen Jugendbildung, an Mediator/innen, Journalist/innen und Repräsentant/innen aus Gesellschaft, Kirche, Politik und Stadtentwicklung sowie eine interessierte Öffentlichkeit.

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