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05.06. - 07.06.2009 (Fr-So) TgNr. 098545
On the Money. Kino in Zeiten des Risikokapitals

Arnoldshainer Filmgespräche

Wie sehr das Geld die Triebfeder menschlichen Handelns ist, wird kaum irgendwo so sichtbar wie im Film. Von den Anfängen bis in die Gegenwart werden im Kino immer wieder neue Geschichten erzählt, in denen das Geld Waren, Wünsche und Personen zueinander in Beziehung und eine Zirkulation mit ungeahnten Folgen in Gang setzt. Das Kino führt uns vor Augen, dass Geld stets mehr ist als sein eigentlicher Wert. Es zeigt, wie das Geld mit einem Begehren besetzt ist, das sich auf etwas anderes richtet, was mit dem Geld an sich nichts zu tun hat. Diesen Zusammenhängen - dem Phantasmatischen in der Ökonomie - will die Veranstaltung anhand einer Reihe exemplarischer Filme auf die Spur gehen. Gesichtet und diskutiert werden Filmbeispiele von der frühen Filmgeschichte bis in die Gegenwart: Ernst Lubitschs DIE AUSTERNPRINZESSIN (1919), eine fulminante Gesellschaftskomödie, in der die willensstarke Tochter eines durch den Handel mit Austern zu Reichtum gekommenen amerikanischen Geschäftsmannes par tout einen europäischen Adligen heiraten will und dabei an den Diener eines mittellosen Prinzen gerät; King Vidors OUR DAILY BREAD (1934), ein sozialkritisches Drama aus der Zeit der großen amerikanischen Depression, das die Idee von Franklin D. Roosevelts New Deal aufgreift. Der Film erzählt von einem arbeitslosen Paar aus der Großstadt, das aufs Land zieht, um eine Farmer zu betreiben und die Utopie einer Landkooperative zu leben. Wir zeigen außerdem Robert Bressons L’ARGENT (1983), eine Parabel über Skrupellosigkeit Gier, Korruption und Mord, in der zwei Männer eine Falschgeldnote in Umlauf bringen, was fatale Folgen für einen Dritten, den jungen Heizöllieferanten Yvon haben wird. Welche Komplexität das Phantasmatische in der Ökonomie in Zeiten der Globalisierung erlangt hat, lassen eine Reihe Filme der jüngsten Gegenwart erkennen. Christian Petzolds YELLA (2007), vom Regisseur als ein Film „über den Traum einer Liebe in Zeiten des Risikokapitals“ beschrieben, handelt von einer jungen Frau, die aus Ost- nach Westdeutschland zieht und sich von ihrem Talent, Geschäftsbilanzen richtig lesen zu können, eine neue Zukunft verspricht. In Robert Bramkamps ungewöhnlichem Film DER BOOTGOTT VOM SEESPORTCLUB – DIE 100 ME – TEIL 1 (2005) tritt der sumerische Schöpfergott Enki eine ABM-Stelle im Seesportclub Wendisch-Rietz am Scharmützelsee an und geht „eine unabsehbare Zusammenarbeit mit 100 internationale Partnern ein.“ Ökonomie und Kommunikation sind hier qua Netzwerk kurzgeschlossen. Außerhalb des Kinos setzt sich der Film in einem Internet-Erzählprojekt fort (Link zum Erzählprojekt). LE SILENCE DE LORNA (2008) von den Brüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne veranschaulicht, wie Geld zu einer Kette brisanter Tauschgeschäfte führt. Der Film erzählt von einer jungen Albanerin, die, vermittelt über einen zwielichtigen Mittelsmann, eine Scheinehe mit einem Junkie eingeht, um die belgische Staatsbürgerschaft zu erlangen.

Zur Diskussion über die Filme, ihre Ästhetik und die von ihnen angesprochenen gesellschaftspolischen und kulturtheoretischen Fragen laden wir Sie herzlich nach Arnoldshain ein.

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