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Mittwoch
26
Oktober

Uni Campus Westend, Casino, Raum Cas. 1.801,
Theodor-W.-Adorno-Platz 2a,
60323 Frankfurt am Main, 16:30 - 18 Uhr

Der Wiederaufbau der Justiz in Westdeutsch- land und der Beginn der Ahndung NS-Verbrechen 1945-1949

Öffentlicher Vortrag zu Beginn des 8. Doktoranden-Seminars

Für das Jahr 1945 sprechen Rechtshistoriker vom Stillstand der Rechtspflege: NS-Partei- und Sondergerichte waren abgeschafft, die ordentlichen Gerichte von den Alliierten geschlossen worden. Doch schon im Sommer 1945 wurden erste Amts- und Landgerichte wiedereröffnet. Die Justizverwaltung sah sich mannigfaltigen Schwierigkeiten gegenübergestellt: Akten waren vernichtet, Gerichtsgebäude zerbombt oder anderweitig genutzt, Rechtsgrundlagen unklar. Das größte Problem stellte das Justizpersonal dar, da viele Juristen entweder durch ihre Tätigkeit für NS-Gerichte oder ihre politische Belastung vollständig kompromittiert waren.

Neben der überbordenden Nachkriegskriminalität waren die Gerichte auch mit der Ahndung der NS-Verbrechen konfrontiert. Während alliierte Instanzen wie das Internationale Militärtribunal in Nürnberg oder die amerikanischen, britischen, französischen und sowjetischen Militärgerichte bis heute ein Begriff sind, sind die deutschen Prozesse gegen NS-Täter kaum bekannt. Und doch gab es eine Vielzahl von Verfahren, die sich mit den Verbrechen an politischen Gegnern, mit den Novemberpogromen, mit der sogenannten »Euthanasie« oder den Konzentrations- und Vernichtungslagern befassten.

Edith Raim, geb. 1965, Studium der Geschichte und Germanistik in München und Princeton, USA (1984-1990), Promotion 1991 in München zu den Dachauer KZ-Außenlagern Kaufering und Mühldorf, Habilitation in Augsburg 2012 mit der Arbeit »Justiz zwischen Diktatur und Demokratie. Wiederaufbau und Ahndung von NS-Verbrechen in Westdeutschland 1945-1949«. Gegenwärtig Senior Fellow des Vienna Wiesenthal Institute 2016/2017.

Jüngste Publikationen: Nazi Crimes Against Jews And German Post-War Justice. The West German Judicial System During Allied Occupation (1945-1949), Berlin, Munich, Boston 2015, sowie Don't Take Your Guns To Town. Johnny Cash und die Amerikaner in Landsberg 1951-1954, München 2015.

Eintritt frei

Leitung:
Dr. Jörg Osterloh
Dr. Thorten Latzel
 
Mitveranstalter:
Fritz Bauer Institut

Veranstaltungsort:
Campus Westend, Casino

Anmeldung

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