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Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt

FILM DES MONATS NOVEMBER 2018:
„DIE ERBINNEN“

Chela und Chiquita leben im paraguyanischen Asunción und sind seit Jahrzehnten ein Paar – eine Tatsache, die sie immer noch vor ihren Freundinnen zu verbergen suchen. Die beiden kommen aus der Oberschicht, gearbeitet haben sie nie. Wohlhabend sind sie allerdings nicht – gerade verkaufen sie das Inventar der alten Familienvilla, Stücke, an denen vor allem für Chela Erinnerungen haften. Die Beziehung der Frauen folgt einem klassischen Muster. Chiquita ist dominant, gibt sich taff und weiß stets, was zu tun ist. Chela dagegen kämpft mit einer Depression: Sie findet morgens kaum aus dem Bett und verbringt die Tage eher meditierend als malend vor einer kleinen Staffelei. Als die schwer verschuldete Chiquita in Untersuchungshaft muss, kommt Bewegung in die erstarrte Partnerschaft. Obwohl sie keinen Führerschein hat, lässt Chela sich überreden, ihre Freundinnen gegen Geld durch die Stadt zu kutschieren. Allmählich gewinnt sie an Selbstvertrauen. Und damit erwacht auch etwas anderes wieder: erotisches Begehren.

Im letzten Jahr, mit Filmen wie „Call Me by Your Name“ oder der Studioproduktion „Love, Simon“, hat der homosexuelle Mann im Kino-Mainstream Anker geworfen. Lesben, schon gar, wenn sie aufs Rentenalter zugehen, sind im Publikumsfilm nach wie vor kaum sichtbar. „Die Erbinnen“, geschrieben und inszeniert von Marcelo Martinessi, annonciert sein „ungewöhnliches“ Sujet allerdings nicht. Eher hintergründig, nah an den Gesichtern und Körpern der großartigen Hauptdarstellerinnen entfaltet der Film die Beziehung zweier Frauen, die nicht nur von altem Mobiliar umgeben, sondern in jeder Hinsicht in ererbten Strukturen gefangen sind – in sexuellen und sozialen Konventionen, in ökonomischen Zwängen. Und Männer müssen in Martinessis Film gar nicht anwesend sein, um Druck auf das Netzwerk auszuüben, das Bekannte, Verwandte und Freundinnen im Hintergrund der Haupthandlung spinnen. Sozialpsychologisch genau und empathisch im Detail ist „Die Erbinnen“ das geglückte Beispiel eines modernen, realistischen Frauenfilms.

 

Paraguay, Uruguay, Deutschland, Brasilien, Norwegen, Frankreich 2018

Produktion: Sebastián Peña Escobar, Marcelo Martinessi
Regie: Marcelo Martinessi
Drehbuch: Marcelo Martinessi
Kamera: Luis Armando Arteaga
Schnitt: Fernando Epstein
Darsteller: Ana Brun, Margarita Irún, Ana Ivanova, Nilda Gonzalez
Format: DCP, 95 Minuten
Verleih: Grandfilm
Preise: Berlinale 2018: Silberner Bär (Beste Darstellerin: Ana Brun), Alfred-Bauer-Preis, Fipresci-Preis, Teddy Award der Leserjury des Mannschaft Magazins, Premios Fénix 2018: Bester Regisseur, Sydney Film Festival 2018: Bester Film, Filmfest Athen 2018: Bester Film u. a.
Kinostart: 29. November 2018

Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt

FILM DES MONATS OKTOBER 2018:
„DIE DEFEKTE KATZE“

 

Wie führt man eine Ehe, wenn man sich kaum kennt? Mina und Kian sind nicht aus Liebe zusammengekommen, sondern weil sie beide heiraten wollten. Nachdem Tinder und andere Wege nicht funktionierten, haben sie sich auf eine arrangierte Ehe eingelassen. Mina ist Elektrotechnikerin und lebte bisher im Iran, Kian ist Arzt und als Sohn iranischer Eltern in Deutschland aufgewachsen. Mit besten Absichten starten die beiden in ihr neues Leben als Ehepaar in einer typisch deutschen Dreizimmerwohnung. Aber wie hat man Sex mit einem völlig Fremden? Wie bleibt man gelassen, wenn die andere plötzlich eine grauenhafte Katze anschafft? Zumal erschwerend hinzukommt, dass Mina sich erst noch einleben muss; sie kennt niemanden, kann die Sprache nicht, und ihr Berufsabschluss wird nicht anerkannt. Kian wiederum weiß nicht so recht, was von ihm erwartet wird, und schwankt zwischen verschiedenen Vorstellungen von Männlichkeit. Umgeben von den Ansprüchen anderer und stereotypen Vorstellungen davon, wie Liebe und Ehe zu sein haben, scheint das Projekt zum Scheitern ­verurteilt.

Die deutsche Regisseurin Susan Gordanshekan, die selbst iranische Eltern hat, beobachtet ihre Hauptfiguren – die von Pegah Ferydoni und Hadi Khanjanpour überzeugend dargestellt werden – differenziert und genau. Sie wirft einen frischen Blick auf das Thema Paarbeziehung und Migration. Es gelingt ihr in ihrem Spielfilmdebüt, mit erwartbaren Klischees nur zu spielen und immer wieder überraschende Wendungen für die Handlung zu finden. Typische Probleme von Migration und interkulturellen Missverständnissen werden in zahlreichen kleinen Details gezeigt, sie überstrahlen aber nie die Individualität der Personen und ihrer jeweiligen Entscheidungen. Daher ist „Die defekte Katze“ auch eher ein Liebesfilm als ein Migrationsfilm – obwohl man als Zuschauer/in ohne ­eigene Migrationserfahrung auch darüber eine ganze Menge lernen kann.

 

Deutschland 2018

Produktion: Ralf Zimmermann, Caroline Fischer
Regie: Susan Gordanshekan
Drehbuch: Susan Gordanshekan
Kamera: Julian Krubasik
Schnitt: Frank Müller
Musik: Sebastian Fillenberg
Darsteller: Pegah Ferydoni, Hadi Khanjanpour, Constantin von Jascheroff, Henrike von Kuick, Arash Marandi
Format: DCP, 93 Minuten
Verleih: Alpenrepublik
Kinostart: 4. Oktober 2018

Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfiehlt

FILM DES MONATS SEPTEMBER 2018:
„STYX“

Rike ist Anfang vierzig und arbeitet als Notärztin in Köln – ein harter Job. Ihr Urlaubsplan verspricht auch nicht gerade Entspannung pur: Sie will von Gibraltar nach Ascension segeln, eine Insel im Südatlantik, auf der Charles Darwin ein legendäres Bepflanzungsprojekt initiiert hat. Tausende von Kilometern auf dem rauen Meer, allein in einer Zwölf-Meter-Yacht? Rike glaubt zu wissen, was sie sich zumuten kann: Sie ist fit, eine gewiefte Seglerin, und sie hat sich umsichtig ausgerüstet. Selbst als sie vor der afrikanischen Küste in einen schweren Sturm gerät, sitzt bei ihr jeder Handgriff. Doch dann entdeckt sie einen havarierten Kutter, auf dem mehr als hundert geschwächte Flüchtende um ihr Leben flehen; einige springen ins Wasser, als sie die Yacht erblicken. Die Küstenwache weist Rike an, sich zurückzuziehen. Aber als Ärztin kann und will sie nicht wegsehen. Ohnehin hat einer der Flüchtenden, ein Junge, bereits ihr Schiff erreicht.

Abenteuerfilm, Thriller, Dokudrama? Wolfgang Fischers „Styx“ hat von allem etwas. Schließlich treffen in seinem Szenario höchst unterschiedliche Sphären aufeinander. Die Protagonistin (Susanne Wolff) ist verantwortungsvoll und wirkt sympathisch in ihrem Drang zu helfen. Doch sie repräsentiert ein saturiertes Europa, dessen Bürger selbst bestimmen können, welchen Lebensrisiken sie sich aussetzen: Ihre „Abenteuer“ sind allemal abgesichert. Die Menschen auf dem sinkenden Boot haben keine Wahl. Auf der Flucht vor Armut und Zwang liefern sie sich nicht nur den Elementen aus, sondern vor allem der Politik, denen, die darüber entscheiden, wem wann geholfen wird. Angesichts der inhumanen Tendenzen unserer Migrationsdebatte und der beständig steigenden Zahl der Opfer im Mittelmeer gewinnt der auf der diesjährigen Berlinale vorgestellte Film eine furchtbare Dringlichkeit. Seine Stärke liegt darin, wie er das Thema kammerspielartig in einer Extremsituation verdichtet und zugleich den Blick weitet: auf die grundlegende Ungleichheit im Verhältnis von Nord und Süd. In Ascension hätte Rike nicht nur Darwins blühendes Biotop gefunden, sondern auch englische und amerikanische Militärbasen.

 

Deutschland, Österreich 2018

Produktion: Marcos Kantis, Martin Lehwald,
Michal Pokorny, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Bady Minck
Regie: Wolfgang Fischer
Drehbuch: Wolfgang Fischer, Ika Künzel
Kamera: Benedict Neuenfels
Schnitt: Monika Willi
Darsteller: Susanne Wolff, Gedion Oduor Wekesa
Format: DCP, 94 Minuten
Verleih: Zorro Film
Preise: Berlinale 2018: Preis der Ökumenischen Jury, Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2018: Hauptpreis Fliegender Ochse und Publikumspreis, Valletta Film Festival 2018: Best Performance (Susanne Wolff) und Best Cinematographer
Kinostart: 13. September 2018

Die Evangelische Akademie Frankfurt trauert um Sieglinde Michalik

Langjähriges Mitglied des Kleinen und Großen Konventes der Akademie verstorben

Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.
(Jesaja 54,10) 

Die Evangelische Akademie Frankfurt trauert um Frau Sieglinde Michalik, langjähriges Mitglied des Kleinen und Großen Konvents der früheren Evangelischen Akademie Arnoldshain und Mitglied des Großen Konvents der Evangelischen Akademie Frankfurt.

Als Richterin am Oberlandesgericht Frankfurt am Main (seit 1990) und Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht (seit 2008) hat Frau Michalik bis zu ihrem Ruhestand und darüber hinaus ihre großen juristischen und menschlichen Kompetenzen in die Arbeit der Akademie eingebracht, der sie auch persönlich eng verbunden war. Frau Michalik ist am Freitag, 20. Juli 2018, gestorben. Ihr Tod bedeutet einen großen Verlust für die Akademie und ihre Mitarbeitenden.

Sieglinde Michalik war 25 Jahre lang vom 1994 bis 2018 Mitglied des Großen Konvents der Evangelischen Akademie in Hessen und Nassau e.V., der Mitgliederversammlung des Akademievereins. Von 2003 bis 2011 war sie zudem Mitglied im Kleinen Konvent, dem Vorstand des Akademievereins. In dieser Zeit hat sie die Fusion der damaligen Evangelischen Akademie Arnoldshain mit der Evangelischen Stadtakademie Römer 9 zur heutigen Evangelischen Akademie Frankfurt wesentlich mit vorbereitet. Dabei kamen ihr ausgleichender, auf Verständigung bedachter Charakter, ihre menschliche Herzlichkeit, ihre sachliche Klarheit und hohe juristische Kompetenz dem Fusionsprozess sehr zu Gute.

Inhaltlich hat Frau Michalik als Mitglied im Arbeitskreis Recht der Akademie insbesondere den Kleinen Arnoldshainer Familiengerichtstag von den Anfängen in den 90er Jahren bis heute wesentlich mitgeprägt und maßgeblich gestaltet. Als Vorsitzende des 1. Senats für Familiensachen des Oberlandesgerichts lagen ihren Fragen der Familien beruflich wie persönlich besonders am Herzen. Ihr Streben nach Gerechtigkeit, ohne dogmatisch zu werden, zeichnet sie in besonderer Weise aus.

Frau Michalik war zudem im Förderverein der Evangelischen Akademie Frankfurt engagiert und hat den Neustart im neugebauten Haus am Römerberg persönlich begleitet. Darüber hinaus wirkte sie in den Schlichtungsverfahren der EKHN mit und sang in ihrer Heimatgemeinde in Frankfurt-Eschersheim (Emmausgemeinde) im Chor.

Die Evangelische Akademie trauert um ihr früheres Konvents-Mitglied und spricht ihrer Familie, auch im Namen der Konvente und der amtierenden Vorsitzenden der Konvente, Pröpstin Annegret Puttkammer, ihr herzliches Beileid aus.

Dr. Thorsten Latzel
Direktor Evangelische Akademie Frankfurt

Evangelische Akademie Frankfurt
Foto: Büro Schramm für Gestaltung, bueroschramm.de

JOHANNISNACHT 2018

Sieben Revolutionen und ein Fußballspiel

Wenn eine Reihe von Redner/innen nacheinander mit einem jeweils genau 6:40 Minuten langen Vortrag in der Evangelischen Akademie Frankfurt auftritt, dann heißt das Schlagwort „Pecha Kucha“ und der Anlass Johannisnacht.

Am 23. Juni 2018 lauschten auch in diesem Jahr zahlreiche Gäste gespannt den sieben Themen, die ihnen beim Sommerempfang der Akademie zum Oberthema „Revolution“ präsentiert wurden.

Für besondere Begeisterung sorgte der jüngste Redner Felix Finkbeiner, 20 Jahre. Seine Mission, mit der Initiative „Plant for the Planet“ Bäume gegen den CO2-Anstieg zu pflanzen, fand unter den Zuhörern großen Anklang.

Spannungsvolle Stimmung herrschte später am Abend während der Übertragung des WM-Spiels Deutschland gegen Schweden, bei dem die Fans der deutschen Mannschaft bis zuletzt zittern mussten. Ein bewegender Tagesausklang – und ein Anlass, schon einmal über das neue Halbjahresthema „Sportsgeist“ nachzudenken.

Evangelische Akademie Frankfurt
Felix Finkbeiner
Evangelische Akademie Frankfurt
Michael Okrob
Evangelische Akademie Frankfurt
The Main Thing
Evangelische Akademie Frankfurt
Ben Christian, Dominik Herold
Evangelische Akademie Frankfurt
Fußballkino im Panoramasaal
Evangelische Akademie Frankfurt
Dr. Britta von Campenhausen

GROSSER UND KLEINER KONVENT 2018

Großer und Kleiner Konvent wählen
neue Mitglieder

Am Freitag, 23. März, fanden die Neuwahlen der beiden Konvente statt. Renate Ehlers, Prof. Dr. Otto Ernst Kempen, Dr. Rudolf Kriszeleit und Dr. Armin v. Ungern-Sternberg wurden aus dem Kleinen Konvent verabschiedet.

Frau Pröpstin Annegret Puttkammer sprach allen vieren im Namen des Großen Konvents den herzlichen Dank für ihre langjährige, engagierte und kompetente Mitarbeit, gerade in der Zeit von Fusion und Neubau der Akademie, aus.

Dank der Arbeit des Kleinen Konvents in den letzten Jahren konnten u.a. die Leitung und wichtige Stellen neu besetzt werden, ein neues CD eingeführt, der Haushalt konsolidiert, neue Formate entwickelt, der Neubau umgesetzt, der Förderverein gestärkt, der Akademievertrag neu verhandelt und eine Social-Media-Präsenz aufgebaut werden.

Für die viele damit verbundene Arbeit gilt den Ehrenamtlichen ein großer Dank!  

Als neue Mitglieder in den Kleinen Konvent wurden gewählt:

  • Birgit Arndt (Geschäftsführerin des Evangelisches Medienhaus, Frankfurt)
  • Dr. Claudia Blöser (Akademische Rätin, Goethe Universität Frankfurt)
  • Renate Knapp (Marketing-Kommunikationswirtin, stellv. Vorsitzende des Fördervereins)
  • Dr. Albrecht Reihlen (Leiter Strategisches Portfoliomanagement, Deutsche WertpapierService Bank AG, Frankfurt)

Stadtdekan Dr. Achim Knecht und Oberkirchenrat Jürgen Mattis wurden als bisherige Mitglieder im Kleinen Konvent bestätigt.

Neu in den Großen Konvent wurden gewählt:

  • Dr. Annette Ludwig (Direktorin, Gutenberg-Museum, Mainz)
  • Dr. Rebecca Müller (Referentin für Theologische Ausbildung, EKHN, Darmstadt)
  • Dr. Margnus Schlette (Leiter Arbeitsbereich Theologie & Naturwissenschaft, FEST, Heidelberg)
  • Dr. Klaus Schreiner (Leiter Kompetenzzentrum Frieden & Nothilfe, GIZ, Eschborn)
  • Prof. Dr. Nils Stieglitz (Präsident & Geschäftsführer, Frankfurt School of Finance & Management)
  • Wilhelm Düringer (Architekt, Gönnern)
  • Wendelin Meyer-Mölck (Business Coach, Frankfurt)
  • Dr. Britta von Campenhausen (Kunstberaterin, Kuratorin Kunstsammlung EZB, Frankfurt)

 

Herzlichen Glückwunsch an alle neu gewählten Mitglieder! Der Große Konvent und die Akademie gewinnen mit ihnen weitere besondere Kompetenzen und wertvolle Unterstützung bei der gemeinsamen Arbeit. Die große gesellschaftliche Breite und hohe fachliche Expertise der Konventsmitglieder spiegeln das Selbstverständnis und den Auftrag der Akademie.

Evangelische Akademie Frankfurt
Annegret Puttkammer, Dr. Armin v. Ungern-Sternberg, Dr. Rudolf Kriszeleit, Prof. Dr. Ernst Kempen, Renate Ehlers, Dr. Achim Knecht, Dr. Thorsten Latzel (v.l.n.r.)
Evangelische Akademie Frankfurt
Annegret Puttkammer, Birgit Arndt, Renate Knapp, Dr. Albrecht Reihlen, Dr. Claudia Blöser, Dr. Achim Knecht, Dr. Thorsten Latzel (v.l.n.r.)
Evangelische Akademie Frankfurt
Prof. Dr. Nils Stieglitz, Dr. Magnus Schlette, Dr. Annette Ludwig, Dr. Britta von Campenhausen, Dr. Rebecca Müller, Dr. Klaus Schreiner (v.l.n.r.)
Evangelische Akademie Frankfurt
Dr. Albrecht Reihlen
Evangelische Akademie Frankfurt
Renate Knapp
Evangelische Akademie Frankfurt
Birgit Arndt
Evangelische Akademie Frankfurt
Dr. Claudia Blöser
Evangelische Akademie Frankfurt
Dr. Klaus Schreiner
Evangelische Akademie Frankfurt
Dr. Annette Ludwig
Evangelische Akademie Frankfurt
Prof. Dr. Nils Stieglitz
Evangelische Akademie Frankfurt
Annegret Puttkammer, Vorsitzende des Kleinen Konvents
Evangelische Akademie Frankfurt
Dr. Britta von Campenhausen
Evangelische Akademie Frankfurt
Dr. Magnus Schlette
Evangelische Akademie Frankfurt
Dr. Rebecca Müller

EVANGELISCHE AKADEMIE ERHÄLT
MARTIN-ELSAESSER-PLAKETTE 2018

Neues Haus der Akademie am Römerberg mit
Preis des Bundes Deutscher Architekten (BDA)
ausgezeichnet

Der Bund Deutscher Architekten BDA im Land Hessen hat die Evangelische Akademie Frankfurt am Freitag, 16. März 2018, mit der Martin-Elsaesser-Plakette ausgezeichnet. Die Jury übergab den Preis im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt. Das umgebaute Haus der Akademie auf dem Römerberg ist einer von zehn Preisträgern in Hessen. Für den Bau verantwortlich zeigt sich das Architekturbüro Meixner – Schlüter – Wendt, Bauherr war der Evangelische Regionalverband Frankfurt am Main. Neben der Akademie erhielt auch der Neubau des Historischen Museums Frankfurt in unmittelbarer Nachbarschaft der Akademie eine Auszeichnung.

Akademiedirektor Dr. Thorsten Latzel bedankte sich für die Auszeichnung. „Wir freuen uns, dass der Neubau der Evangelischen Akademie auf so ein positives Echo stößt“, sagte Latzel. „Die Menschen verstehen die Akademie als einen öffentlichen Raum, an dem aus verschiedenen Perspektiven und zugleich protestantisch profiliert über zentrale Fragen unserer Zeit gesprochen wird. Und das spiegelt sich in der äußerst gelungenen Gestaltung des Hauses wider.“

Die Evangelische Akademie Frankfurt ist seit Juni 2017 nach zweijähriger Umbau-Zeit wieder am Römerberg. Dort finden etwa 100 eigene Veranstaltungen und 200 weitere Veranstaltungen von zivilgesellschaftlichen Partnern statt. Allein im ersten halben Jahr nach der Eröffnung kamen so über 10.000 Menschen in das neue Haus. Das Haus bietet mit seinen zwei Sälen und vier Seminarräumen Platz für bis zu 400 Personen. Zusammen mit dem gegenüberliegenden Historischen Museum ist so ein besonderer architektonischer Akzent am südlichen Teil des Römerberges entstanden.

Dem Preisgericht gehörten an:

  • Prof. Alexander Reichel, Architekt BDA, Kassel, Hochschule Darmstadt
  • Anne Rumetsch, Architektin BDA, Nürnberg
  • Rainer Schulze, Journalist (FAZ)
  • Prof. Wolfgang Schulze (Vorsitz), Architekt BDA, Kassel, Universität Kassel
  • Jörg Sturm, Architekt BDA, Dipperz/Rhön, Vorsitzender BDA Mittelhessen

Hintergrund:

Der BDA Frankfurt möchte gute, beispielhafte Architektur der Öffentlichkeit bekannt machen. Um die entsprechenden Bauten auszeichnen zu können, schreibt sie in einem fünfjährigen Zyklus den Wettbewerb „Ausgezeichnete Architektur in Hessen“ aus. Die Auszeichnung richtet sich an Bauherren und Architekten; die prämierten Bauten erhalten die „Martin-Elsaesser-Plakette“. Zugelassen waren Bauten, die im Zeitraum von 2013 bis Januar 2018 fertig gestellt wurden und ihren Standort in den Städten Frankfurt am Main, Offenbach am Main oder in den Landkreisen Offenbach und Main-Kinzig haben.

Evangelische Akademie Frankfurt

KINDER UNI GÖTTINGEN MIT MIRKO DROTSCHMANN

Stipendiatinnen der Jungen Akademie Frankfurt organisieren Vorlesung für Kinder in Göttingen

Wann war die Bundestagswahl? Wer war der erste Bundeskanzler? Welche Partei ist dieses Jahr neu in den Bundestag eingezogen? Wofür steht eigentlich FDP? Für die Schüler der Kinder Uni in Göttingen kein Problem! Journalist und YouTuber Mirko Drotschmann alias Mr. Wissen 2Go und Prof. Dr. Thomas Mann vom Insitut für Öffentliches Recht, die die Vorlesung gemeinsam gehalten haben, waren beeindruckt von so viel Wissen:

"Wir hätten fast gar nicht weiterreden müssen", sagt Mirko Drotschmann. Dass sich Kinder und Jugendliche nicht für Politik interessieren, kann der logo!-Moderator so nicht bestätigen. "Auf meinem YouTube-Kanal wird unter den Videos auf hohem Niveau diskutiert", erzählt Drotschmann. In seinen Videos erklärt er Kindern beispielsweise, wer Wladimir Putin ist, wie man richtig wählt oder warum der Iran so häufig in den Nachrichten vorkommt. Drotschmann glaubt, dass die politische Teilhabe sich nur verlagert. "Junge Leute wollen heute nicht mehr unbedingt in Parteien eintreten, sondern eher an Demonstrationen teilnehmen oder sich über Petitionen engagieren", sagt er.

Allerdings sieht er zwar keine Erosion, aber auch kein Auffrischen in der Begeisterung für Politik. "Wir haben Anfang des Jahres einen kurzen Hype durch Martin Schulz erlebt, aber es war nicht wie bei Willy Brandt in den 1970ern", erzählt er weiter. Drotschmann denkt, dass sich Kinder und Jugendliche vor allem durch bestimmte Themen mitreißen lassen. "Viele haben sich für TTIP interessiert, allerdings war das auch eine Empörungswelle. Aber die hätte man nutzen können, das ist Potential da", sagt er. Die häufigste Frage, die ihm zum Thema Politik gestellt wird ist: Warum machen Politiker nicht mehr für uns Kinder? "Das ist ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen", stimmt Drotschmann zu. "Jugendliche werden von der Politik nicht besonders ernst genommen."

Um junge Leute noch stärker für Politik zu begeistern, sieht er vor allem die Schulen in der Pflicht. "Die Lehrer müssen mit den Schülern mehr über aktuelle Themen diskutieren und ihnen den Praxisbezug politischer Entscheidungen zeigen." Aber auch Politiker seien in der Pflicht. "Sie sollten mehr in Schulen gehen", findet Drotschmann. Doch Kinder und Jugendliche düften sich auch nicht zurücklehnen: "Sie können sich aktiv beteiligen, indem sie zum Beispiel E-Mails an Politiker schreiben und sich in ihrem Ort oder Stadtteil engagieren."

Etwa 115 Schüler besuchten die Vorlesung der Kinder-Uni zum Thema "Wie wird man eigentlich Bundeskanzler(in)?" am 8. November 2017 in Göttingen. In der Vorlesung wurde den Kindern erklärt, wie eine Wahl in Deutschland abläuft. Als Beispiel durften die Kinder dann selbst ihre Kinderkanzlerin wählen. Zwei Vertreterinnen der fiktiven KEKS-Partei oder der JUPP-Partei standen zur Wahl. Die beiden Kandidatinnen traten in einem Wahlkampf gegeneinander an. Am Ende überzeugte die KEKS-Partei mit Wahlversprechen wie vier Monate Sommerferien, freier Eintritt in Freizeitparks und Smartphones für alle Schüler die Mehrheit. Organisiert haben das ganze Gesa Güttler und Katharina Knoche, zwei Stipendiatinnen, der Jungen Akademie Frankfurt. Die Vorlesung kam als Projekt des diesjährigen Mottos der Jungen Akademie "Do it yourself! - Demokratie" zustande.

Vielen Dank an die beiden Dozenten, alle Organisatoren und an alle Kinder, die sich so toll beteiligt haben!

Evangelische Akademie Frankfurt
Die Kinder Uni 2017
Evangelische Akademie Frankfurt
Gesa Güttler, Katharina Knoche und Mirko Drotschmann
Evangelische Akademie Frankfurt
Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go
Evangelische Akademie Frankfurt
Blick in den Hörsaal der Kinder Uni
Evangelische Akademie Frankfurt
Katharina Knoche und Gesa Güttler
Evangelische Akademie Frankfurt
Die Schüler der Kinder Uni
Evangelische Akademie Frankfurt
Prof. Dr. Thomas Mann in der Vorlesung
Evangelische Akademie Frankfurt
Mirko Drotschmann im Hörsaal

WENN DER KONFERENZSAAL ZUM POLITISCHEN KINO WIRD

Evangelische Akademie lädt in die "Anstalt" – Auftakt mit Politsatire-Macher Dr. Dieter Krauß

Popcorn-Geraschel, Kichern, das schnell zum lauten Lachen anschwillt: Auf der großen Leinwand überlegt sich ein Großunternehmer, wie er sich medial wirksam als Familienunternehmen verkaufen und so die Erbschaftssteuer abwenden kann. Die ZDF-Politsatire "Die Anstalt" hält auch in dieser Folge zahlreiche Pointen bereit – doch geschaut wird heute nicht vor dem heimischen Fernseher, sondern im großzügigen Panoramasaal der Evangelischen Akademie.

Gemeinsam in gemütlicher Atmosphäre "Die Anstalt" schauen und anschließend über das aktuelle Thema diskutieren: Das ist die Idee hinter des neuen Veranstaltungsformats in Frankfurt. Zum Auftakt hat sich knapp ein Dutzend Zuschauer – eingefleischte "Die Anstalt"-Fans ebenso wie absolute Neulinge – am Römerberg getroffen. "Wir hoffen natürlich, dass sich mit der Zeit rumspricht, wie gemütlich und lustig es bei uns ist", sagte Hanna-Lena Neuser, Studienleiterin für Europa und Jugend an der Evangelischen Akademie, zur Begrüßung.

Entstanden ist die Idee für das neue Format im Rahmen der Jungen Akademie, einem Stipendienprogramm der Evangelischen Akademie, das 30 junge, engagierte Menschen unter 30 Jahren zusammenbringt. "In einer Veranstaltung diskutierten wir mit Professor Bernd Gäbler", erklärt Neuser. "In einer Studie für die Otto-Brenner-Stiftung kam er zu dem Schluss, dass satirische Formate gerade junge Mediennutzer sehr gut erreichen – es aber oft an Angeboten fehlt, die politischen Themen zu vertiefen, sprich gemeinsam zu diskutieren."

Der gemeinsame "Anstalt"-Abend soll diese Lücke füllen. Ein besonderes Highlight ist dabei das Gespräch mit Redakteur Dr. Dieter Krauß, der die Sendung gemeinsam mit den Kabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner konzipiert. Zum Auftakt gab er in der Akademie unterhaltsame und informative Einblicke in das Entstehen der Sendung. "Wir haben den Ehrgeiz, in der Sendung immer neue Perspektiven aufzuzeigen", betonte er im Gespräch mit den Zuschauern. Der Bildungsauftrag gehöre neben der Unterhaltung dabei klassisch zum Kabarett. Aber: "Wir setzen in vielen Fällen weniger Vorwissen voraus, sodass wir niedrigschwelliger sind als das klassische Kabarett." So bestätige sich, dass im Publikum der "Anstalt" oft jüngere Menschen zu finden seien.

Dass der aktuell aufs Korn genommene Neoliberalismus aber nicht stellvertretend für alle Wirtschaftswissenschaften stehen könne, betonte in der anschließenden Diskussion Tim-Philipp Bruns aus dem Center for Business Ethics der Universität Frankfurt. Auf Einladung von Neuser ist er speziell für das Thema in den Panoramasaal gekommen – und hat die Diskussion dort um neue Standpunkte ergänzt. "Nicht alle Wirtschaftswissenschaftler stützen sich heute noch – wie in der Sendung ja überspitzt dargestellt – auf das Modell des Homo oeconomicus", erklärte Bruns. "Auch viele Nobelpreisträger haben daran gerüttelt." In einer kurzweiligen Diskussion beleuchtete die Runde die aktuelle Folge so aus unterschiedlichen Perspektiven – und schmunzelte über die ein oder andere Hintergrundgeschichte von Macher Dr. Dieter Krauß. Alle Geheimnisse über die "Anstalt" verliert er aber nicht: Immerhin soll es im Dezember ein Wiedersehen geben. Das Popcorn steht schon bereit.

Der nächste gemeinsame "Anstalt"-Abend findet am 6. Dezember statt. Pünktlich zur Prime Time (20.15 Uhr) lädt die Evangelische Akademie in ihre Räume auf dem Frankfurter Römerberg, Panoramasaal. Das Motto: gemeinsam "Die Anstalt" schauen, gemeinsam lachen und staunen, gemeinsam Popcorn essen, gemeinsam über das aktuelle Thema diskutieren. Dazu wird auch Redakteur Dr. Dieter Krauß wieder dabei sein.

Autorin: Jana Kötter


Über die Junge Akademie
Die Demokratie in Deutschland und Europa steht vor vielfältigen Herausforderungen. Wir werden diese nur bewältigen, wenn sich junge Menschen aktiv politisch einsetzen.
Aus diesem Grund ist 2017 die Junge Akademie Frankfurt unter dem Titel: "Do-it-yourself!-Demokratie" gestartet. 30 ausgewählte, junge Menschen werden in dem Stipendienprogramm ein Jahr lang darin unterstützt, sich für die Zukunft der Demokratie zu engagieren: durch Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen, durch Denkräume, um mit klugen Impulsgebern Ideen zu entwickeln und durch die Möglichkeit, gemeinsam eigene Projekte zu gestalten. Die Bewerbung für den zweiten Jahrgang läuft aktuell. Weitere Informationen unter www.junge-akademie-frankfurt.de.

Evangelische Akademie erstrahlt in neuem Glanz am Römerberg

Tagungshaus der Evangelischen Akademie Frankfurt feierlich eröffnet

Nach mehr als zwei Jahren Bauzeit ist die Evangelische Akademie Frankfurt am Sonntag (20. August) offiziell wiederöffnet worden. Unmittelbar am Römer im Herzen der Stadt ist ein dreistöckiges Veranstaltungshaus mit einer spektakulären Glasfassade entstanden. Der architektonisch besondere Brücken-Bau bietet neben dem Großen Saal für bis zu 300 Personen sowie einem Panoramasaal mit faszinierenden Ausblicken über die gesamte Stadt mehrere Seminarräume sowie Büros für die Mitarbeitenden der Evangelischen Akademie. Er ist auch ein bewusst markanter Beitrag der evangelischen Kirche zur Neubebauung des historischen Zentrums von Frankfurt. Die Feierlichkeiten hatten am Sonntagmorgen mit einem Festgottesdienst in der Dreikönigskirche am Sachsenhäuser Mainufer begonnen. Danach zogen die Gäste mit einem Klangteppich aus Saxophontönen über den Eisernen Steg bis zum Haus der Akademie auf dem Römerberg.

Akademiedirektor Latzel: Protestantisches Forum sein

Die Akademie will in Zukunft nach Worten ihres Direktors Thorsten Latzel als „protestantisches Forum für Gegenwartsfragen die politischen, kulturellen und religiösen Debatten aus evangelischem Glauben mitgestalten und Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen einladen“. Gerade in „politisch unruhigen Zeiten“ könne die Akademie auch dazu beitragen „unsere demokratische, offene Gesellschaft zu stärken“, so Latzel.

Kirchenpräsident Jung: Diskussionskultur im Licht des Evangeliums fördern

Im Festgottesdienst zur Eröffnung hob der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung die bleibende Bedeutung der evangelischen Akademiearbeit hervor, die „Orte der überparteilichen Meinungsbildung“ eröffnen müsse. Gerade angesichts einer Gesellschaft, die zunehmend konsenssuchende Diskussionen scheue und Meinungen unvermittelt aufeinanderprallten lasse, sei es wichtig „Räume für den Diskurs“ zu schaffen. Heute würden zudem oft „Positionen mit einem Wahrheitsanspruch aufgeladen, der sich die eigene Wahrheit selbst konstruiert, wenn es sein muss - wie es mittlerweile heißt - auch gerne ‚gefakt“, so Jung. Dagegen stehe ein christlich begründetes Wahrheitsverständnis, das die Botschaft und die Kraft in den Mittelpunkt stelle, „das Leben in Licht der Liebe Gottes zu verstehen und zu leben“. Daraus folge, dass Wahrheit keine abstrakte Größe sei, sondern sich immer auf Menschen und das konkrete Leben beziehe. Eine Evangelische Akademie stehe für „eine „Diskurskultur im Licht des Evangeliums“. Dies sei „eine Gesprächskultur, „in der sich niemand über den anderen stellt“, so der Kirchenpräsident. Ein Gespräch sei nur möglich, wenn Menschen gemeinsam ihre Grenzen erkennen. Jung: „Eine evangelische Akademie steht für dieses Verständnis der Wahrheit. Sie wird sich darum mühen, in die kirchlichen und gesellschaftlichen Debatten diese Perspektive immer wieder einzutragen.“

Kultusminister Lorz: Vergangenheit und Zukunft verbinden

Bei der Eröffnungsfeier am Sonntag bezeichnete der Hessische Kultusminister Alexander Lorz in seinem Grußwort das neue Tagungshaus in Frankfurt mit seinem Standort am Römerberg als fest eingebunden in die Tradition der Stadt und des Landes. Er begrüßte zugleich, dass die Akademie sich „mit Themen und Fragestellungen von heute, mit den aktuellen Debatten, mit dem, was es heute anzupacken gilt“, beschäftigen wolle. Sie verstehe sich dabei als „Engagement der Kirche in die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft“. Für diese inhaltliche Ausrichtung dürften das Gemeinwesen und der säkulare Staat dankbar sein, erklärte der Minister.

Oberbürgermeister Feldmann: Akademie soll Brücken bauen

Nach Ansicht des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann hat die evangelische Kirche mit ihrer Akademie ein klares Zeichen „für ihr Engagement für eine offene, demokratische Gesellschaft“ gesetzt. Die Einrichtung sei zudem ein „Brückenbauer“, da sie Begegnung von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, Religion oder Weltanschauung ermögliche. Feldmann erhoffe sich zudem, dass sie „eine demokratische Erinnerungskultur“ pflege und mit ihren Veranstaltungen beispielsweise an das humanistische Erbe oder die soziale Gerechtigkeit erinnere. Zudem solle sie „neue Beziehungen stiften“, und beispielsweise den Dialog von Christentum und Judentum fortsetze. Feldmann: „Wir brauchen diese Orte, an denen immer wieder neu Beziehungen geschmiedet werden. Damit unsere Gesellschaft so offen, menschenfreundlich und zivil bleibt.“

Weihbischof Löhr: Gespür für Menschen und Stadt behalten

Der Limburger Weihbischof Thomas Löhr würdigte die ökumenische Ausrichtung der Evangelischen Akademie und hoffte auf die Fortsetzung der Kooperation zwischen der evangelischen und katholischen Kirche. Zudem solle sie weiter ein gutes Gespür für die Belange der Stadt und der Menschen haben. Zugleich wünschte der der Einrichtung, dass sie „nie der Blick dafür verliert, wie verwundet unsere Welt ist und wie arm viele Menschen in ihr“.

Generalsekretärin Helmke: Denk- und Streiträume schaffen

Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Julia Helmke, bezeichnete das neue Gebäude der Akademie als „fulminantes neues Zuhause“. Sie hob die Verbundenheit des Kirchentags mit der Akademiearbeit hervor, gerade im Blick auf den 3. Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt. Aufgabe sei es für beide beispielsweise, „Denk- und Streit-Räume zu schaffen für aktuelle und dauerhafte brennende Fragen und Themen“. Kirchentag und Akademie verstünden sich beide als „Teil der Gesellschaft, orientiert und verantwortet im evangelischen Glauben“. Dabei sei es notwendig, entsprechend zu arbeiten: „wach, lebendig, in Bewegung bleibend; um die eigenen Begrenzungen wissend und sie überschreitend“, so Helmke.

Früherer Uni-Vizepräsident Lutz-Bachmann: Frage nach Religion stellen

Für die Frankfurter Goethe-Universität übermittelte der frühere Uni-Vizepräsident Matthias Lutz-Bachmann Grüße und freute sich über die „rundherum erneuerte Akademie“. Sie sei ein „Gesprächsforum im Zentrum unserer Stadt und damit der gesamten Region“. Es sei für die Gesellschaft „von höchster Bedeutung, dass es Orte wie die kirchlichen Akademien gibt, die gleichsam im vor-politischen Raum das gleichwohl öffentliche Gespräch über die zentralen Fragen des Lebens der Menschen in dieser unserer Gesellschaft führen“. Zu diesen Fragen gehörten seiner Ansicht nach „auch und gerade die Fragen der Religion“.

F.A.Z.-Mitherausgeber D’Inka: Überraschend, offen, heiter bleiben

Der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Werner D’Inka, ermutigte die Evangelische Akademie, weiter überraschend, offen und heiter zu bleiben. „Seien Sie deswegen das Salz in der Suppe, die Hefe im Teig, der Äppler im Gespritzten.“ Dazu brauche die Gesellschaft die Fähigkeit zum Zweifeln an vermeintlich ewigen Gewissheiten. Dies solle die Akademie weiter in überraschender Weise beitragen, wie sie es in ihrem Programm bereits tue.

Hintergrund Akademiegebäude

Baukosten

Die Kosten für den Neu- und Umbau belaufen sich auf 8.042.400 Euro. Davon trägt der Evangelische Regionalverband Frankfurt 3.929.400 Euro, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau 3.376.000 Euro, die Evangelische Kirchenstiftung 172.000 Euro und die Evangelische Akademie 565.000 Euro.

Zur Geschichte

Bis zum Jahr 2001 war im Gebäude Römerberg 9 die Theologische Zentralbibliothek des Evangelischen Regionalverbandes im Obergeschoss untergebracht. Die beiden unteren Geschosse wurden bis 2015 von der Evangelischen Sankt Paulsgemeinde genutzt. Nach Schließung der Bibliothek wurden die Räume im Jahr 2006 für eine Nutzung durch die Evangelische Stadtakademie des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt umgebaut. Der Umbau erfolgte durch Meixner Schlüter Wendt Architekten und kostete 710.000 Euro. Parallel entstanden erste Planungsüberlegungen zur Nutzung und zum Umbau des ganzen Gebäudes für die Akademie. 2009 wurde das Raumprogramm von einer Projektsteuerungsgruppe mit Vertretern des Evangelischen Regionalverbandes, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Stadtakademie entwickelt. 2010 einigten sich der Evangelische Regionalverband Frankfurt und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau auf den Standort Römerberg 9. Die Evangelische Stadtakademie Frankfurt und der Evangelischen Akademie Arnoldshain fusionierten. Baubeginn für die Evangelische Akademie war im Juli 2015.

Evangelische Akademie Frankfurt
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Pröpstin Gabriele Scherle und Stadtdekan Dr. Achim Knecht im Eröffnungsgottesdienst
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Straight or Swing Quartett im Eröffnungsgottesdienst
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Dr. Thorsten Latzel
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EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung
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EKHN-Synodenpräses Dr. Ulrich Oelschläger, der hessische Kultusminister Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz, Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Volker Jung, Stadtdekan Dr. Achim Knecht und Pröpstin Gabriele Scherle (v.l.n.r.)
Evangelische Akademie Frankfurt
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Pröpstin Gabriele Scherle
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Das Petrol-Band um die Akademie wird zerschnitten
Evangelische Akademie Frankfurt
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Renate Knapp, stellv. Vorsitzende des Fördervereins im Gespräch mit Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, ehem. Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt sowie Weihbischof Dr. Thomas Löhr aus Limburg im Gespräch mit EKHN-Synodenpräses Dr. Ulrich Oelschläger (v.l.n.r.)
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Architekten Florian Schlüter u. Claudia Meixner
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Straight or Swing Quartett
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Das "Straight or Swing Quartett"
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Pröpstin Gabriele Scherle
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Akademiedirektor Dr. Thorsten Latzel
Evangelische Akademie Frankfurt
Kultusminister Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz
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Oberbürgermeister Peter Feldmann
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Weihbischof Dr. Thomas Löhr, Limburg
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Prof. Dr. Julia Helmke, Generalsekretärin Deutscher Evangelischer Kirchentag
Evangelische Akademie Frankfurt
Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, ehem. Vizepräsident Uni Frankfurt
Evangelische Akademie Frankfurt
Werner D'Inka, Mitherausgeber der FAZ
Evangelische Akademie Frankfurt
Renate Knapp, stellv. Vorsitzende des Fördervereins
Evangelische Akademie Frankfurt
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OB Peter Feldmann, Pröpstin Gabriele Scherle und Akademiedirektor Dr. Thorsten Latzel im Großen Saal
Evangelische Akademie Frankfurt
EKHN-Synodenpräses Dr. Ulrich Oelschläger
Evangelische Akademie Frankfurt
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Julia Glotzbach vom "Straight or Swing Quartett" im Panoramasaal