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IMPULSE

Die Evangelische Akademie Frankfurt steht dafür, aktuelle Entwicklungen zu reflektieren, protestantische Perspektiven zu erarbeiten und zur Demokratisierung unserer Gesellschaft beizutragen. Wir bemühen uns, diese Ziele in unseren Veranstaltungen zu vermitteln – in den Bereichen Kultur & Medien, Wirtschaft & Recht, Religion & Politik, Theologie & Kirche, Europa & Jugend, Kunst & Stadt, Naturwissenschaft & Technik und Medizin & Ethik.

Darüber hinaus möchten wir auch jenseits unserer Veranstaltungen zum Nachdenken anregen und Debatten über aktuelle Themen anstoßen. Deshalb verfassen unsere Studienleiter/innen regelmäßig Impulstexte, die wir in unserem monatlichen Newsletter vorstellen (Anmeldung hier) – prägnant, pointiert, diskussionsoffen. Auf dieser Seite stehen sämtliche Texte zum Download bereit. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns auf Ihr Feedback!

HALBZEIT

DIE KONGRESSWAHLEN UND DAS „ECHTE AMERIKA“

Die amerikanischen Kongresswahlen vom 6. November 2018 wurden mit Spannung erwartet. Sie gelten als Stimmungsbarometer für die Zustimmung der US-Bevölkerung zur Politik des Präsidenten, da dessen Handlungsfähigkeit maßgeblich von der Sitzverteilung im Senat und im Repräsentantenhaus abhängt. […] Paul Krugman, der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Wirtschaftswissenschaftler und Kolumnist der New York Times, hat eine Erklärung dafür, wie das enttäuschende Abschneiden der Demokraten im Senat zu beurteilen ist, wo diesmal nur wenige Sitze neu zu besetzen waren. In einer viel beachteten Kolumne, die am 9. November 2018 in der Zeitung erschien, kommt er zu folgendem Schluss: Die Tatsache, dass die Demokraten im Kongress die Mehrheit errungen hätten, sei ein deutliches Zeichen dafür, dass Donald Trumps Politik von der Mehrheit der Amerikaner nicht gutgeheißen, ja sogar verabscheut werde.

Impulstext Dr. Margrit Frölich – Dezember 2018

RELIGION ALS OPIUM?

MIT MARX, GEGEN MARX, ÜBER MARX HINAUS

Es gibt ein weit verbreitetes Vorurteil darüber, was Karl Marx (1818–1883) über Religion dachte: Er habe sie als „Opium für das Volk“ verurteilt und energisch bekämpft. Die Regierung der DDR bekämpfte unter Berufung auf ihn die Christinnen, Christen und ihre Kirchen, und schaffte es, ein einstmals christlich – hauptsächlich protestantisch – geprägtes Land in eine religiöse Ruinenlandschaft zu verwandeln, einer der zahlreichen Pyrrhus-Siege des sozialistischen Regimes. Der Befund zu Marx ist allerdings viel differenzierter, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Sein Verhältnis zur Religion war kompliziert und vielschichtig, mindestens ambivalent. Es war einerseits wohlwollender und andererseits kritischer, als dies im öffentlichen Bewusstsein präsent ist.

Impulstext Dr. Eberhard Pausch – November 2018

DAS FLÜSTERN DES STERNENHIMMELS

Bilder vom nächtlichen Sternenhimmel gehören kulturgeschichtlich zu den stärksten, die die Menschheit besitzt: Es sind Bilder, die zutiefst mythisch und religiös aufgeladen sind – und zwar vermutlich in allen Kulturen und epochenübergreifend. Bilder, die eine Ahnung des Unendlichen und Unfassbaren in sich tragen, sowohl in zeitlicher wie in räumlicher Dimension. Bilder, die Fragen nach unserer Existenz, dem Ursprung des Lebens und dem Wohin unseres Daseins aufwerfen und Gedanken über das große Ganze evozieren. Bilder aber auch, die Freiräume für unser Denken ermöglichen.

Impulstext Christian Kaufmann – Oktober 2018

SCHON VON DER „GENERATION PAY GAP“ GEHÖRT?

Dass es eine „Gender Pay Gap“ gibt – also eine Lohnlücke zwischen Frauen und Männern –, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, dass eine ähnliche Lücke auch zwischen den Einkommen der älteren und jüngeren Generationen in unserer Gesellschaft klafft. Über diese „Generation Pay Gap“ redet bisher kaum jemand. Warum ist das so? Warum ist es nicht in aller Munde, dass das Lebenseinkommen nicht allein von den eigenen Anstrengungen abhängt, sondern auch davon, wann man geboren wurde? Vielleicht deshalb, weil es uns bislang gar nicht bewusst war? Oder deswegen, weil es vor allem die Jüngeren trifft, die politisch schlechter repräsentiert sind?

Impulstext Dr. Stina Kjellgren – September 2018

FACTFULNESS

WARUM ES SICH LOHNT, FÜR EINE BESSERE WELT ZU STREITEN

Was denken Sie? Ist die Welt in den letzten 20, 50 oder 100 Jahren im Ganzen gesehen besser oder schlechter geworden? Oder blieb alles gleich – „same procedure as every year“? Verschwörungstheoretiker, Rechtspopulisten und die Verkünder des Postfaktischen feiern zurzeit auch deshalb in vielen Ländern große Erfolge, weil sie die Weltwirklichkeit in einem äußerst düsteren Licht zeichnen. Und weil sie ihre Energie aus der tiefen, dumpfen Angst vieler Menschen beziehen, nicht nur der „Untergang des Abendlandes“ (Oswald Spengler), sondern die Apokalypse, das Ende der Welt, stehe gleichsam unmittelbar bevor. Fast jede Nachrichtensendung, die wir sehen, bestätigt unser Gefühl, es gebe immer und überall (auch in unserem Land) nur mehr Unglücke, Katastrophen und Verbrechen. Die Wirklichkeit aber sieht anders aus.

Impulstext Dr. Eberhard Pausch – August 2018

KEINE DEMOKRATIE OHNE WACHSAMKEIT

Wer hätte je gedacht, dass die liberale Demokratie noch einmal so auf dem Prüfstand stehen würde wie heute. Dass wir im 21. Jahrhundert noch einmal derart um sie kämpfen und uns für sie engagieren müssen, damit sie gegen sämtliche aktuellen Anfechtungen attraktiv und zukunftsfähig bleibt. Die rechtsautoritären Bewegungen in Deutschland, Italien, Frankreich und weiteren europäischen Ländern zeigen, dass Demokratie in Europa keineswegs selbstverständlich ist. Sie kann gefährdet sein, wie man an den Entwicklungen in Polen und Ungarn sieht. Im schlimmsten Fall kann sie sogar wieder verschwinden, wie es in den 1920er-Jahren vor allem in Italien und 1933 in Deutschland geschah.

Impulstext Dr. Margrit Frölich – Juni 2018

Zum Kern der Sache vordringen

Es ist derzeit wohl die brisanteste ethische Frage. Es geht nicht um selbstfahrende Autos oder Plastik in den Weltmeeren. Es ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen und hätte Auswirkungen auf ewig. Einmal umgesetzt kann es nicht wieder zurückgeholt werden. Ob es das angestrebte Ziel erreicht oder unbeabsichtigte Nebenwirkungen hervorruft, kann mit letzter Sicherheit nicht ausgeschlossen werden. Den Ärzten und Wissenschaftlern steht eine Technik zur Verfügung, die es ihnen ermöglichen könnte, schwerste genetische Erkrankungen, für die es bisher keinerlei Heilung gab, kausal so zu behandeln, dass nicht nur der Patient von dieser Erkrankung geheilt wird, sondern er oder sie diese Erkrankungsanlage nicht mehr an seine oder ihre späteren Nachkommen weitergeben werden.

Impulstext Dr. Kurt W. Schmidt - Mai 2018

Wertvolle Jugend

Kürzlich habe ich nach einer Definition des Begriffs „Jugend“ gesucht. Genauer gesagt: Ich habe verzweifelt nach einer Definition von „Jugend“ gesucht, in der 37-Jährige noch mitzählen, aber die gibt es leider nicht. Also beim besten Willen: Ich gehöre zu der Altersklasse leider nicht mehr dazu. Allein von Berufswegen bin ich jedoch vielleicht dennoch in der Lage, etwas zur Jugend zu schreiben.

Impulstext Hanna-Lena Neuser - April 2018

Über „Rubens: Kraft der Verwandlung“


Eine Ausstellung im Städel Museum Frankfurt

Er war ein barocker Superstar in den katholischen Niederlanden. Ein Künstlergenie und ein Malerfürst, wie man ihn sich vorstellt, mit einer großen Werkstatt und entsprechender Anzahl von Assistenten. Er war nicht nur künstlerisch erfolgreich, sondern auch auf dem diplomatischen Parkett. Mehrfach wurde er mit politischen Missionen betreut. So handelte er beispielsweise 1629/30 den Friedensvertrag zwischen England und Spanien aus. Mehrfach und in unterschiedlichen Ländern wurde er zum Ritter geschlagen und geadelt. Weltgewandt und überaus sympathisch, ein ebenso herzlicher wie überschwänglicher Mensch, wie seine Briefe und Zeitgenossen bezeugen. Er war DER Hofmaler der spanischen Habsburger, er hat bedeutende Arbeiten für die Jesuiten geschaffen, und seine Malerei transportiert eben auch stark Ideen der Gegenreformation.

Impulstext Christian Kaufmann - März 2018

Ein neuer Aufbruch für Europa?

„Europa wird nicht von heute auf morgen und nicht aus einem Guss entstehen. Vielmehr werden greifbare Erfolge eine zunächst faktische Solidarität erzeugen.“

-Robert Schuman, 9. Mai 1950

 

Einige Menschen hat es überrascht, wie viel Platz einer „Erneuerung der EU“ im Sondierungspapier von CDU, CSU und SPD eingeräumt wurde. Steht – mit Merkel, Macron und Juncker – die alte Machtstruktur aus der Zeit Kohls, Mitterrands und Delors an der Spitze Europas wieder auf? Ist dies der Startschuss für die Konsolidierung der Eurozone, wenn gleich die Form dafür noch ausgehandelt werden muss?

Das sehen andere eher skeptisch. Noch sind es nur schöne Wörter. Solche können CDU und CSU sich leisten, solange es genug andere Mitgliedsstaaten gibt, die die großen Pläne noch ausbremsen können. Inwieweit ein neuer Aufschwung für die europäische Integration zu erwarten ist oder nicht, wird sich frühestens in den nächsten Monaten herausstellen.

Impulstext Dr. Stina Kjellgren - Februar 2018

Christus oder: die Revolution Gottes

Weltverwandlung durch Gottesverwandlung

Wenn man einen Begriff aus einem Sachgebiet in ein anderes überträgt (Abduktion), erschließen sich oftmals kreative, neue Einsichten – sowohl im Blick auf das Sachgebiet, als auch im Blick auf den Begriff. Im Gedenkjahr 2018 wird an Revolutionen aus verschiedenen Jahrhunderte erinnert: 1618, 1848, 1918, 1968. Der Begriff dient aktuell oft dazu, um einen radikalen und rapiden sozialen Wandel zu beschreiben, der mit intensiven, z.T. gewaltsamen Konflikten einhergeht (so eine Revolutionsdefinition von R. Dahrendorf). Klassisches Beispiel ist dafür etwa die Rede von der digitalen Revolution. Theologisch interessant wird es nun, wenn man den historischen, gesellschaftspolitischen Begriff der Revolution auf die Vorstellung von Gott überträgt.

Impulstext von Dr. Thorsten Latzel - Januar 2018

Lernbereitschaft auf allen Seiten

Eine Frage, die wir uns Ende September sicher reflexartig alle gestellt haben: Wie kann es sein, dass eine Partei, die Fakten verdreht und Thesen vertritt, die – wie wir dachten – so weit weg von dem geltenden politischen „Anstand“ sind – in den Bundestag einzieht? Haben wir – die „Guten“ – nicht allen gesagt, wie falsch diese Politik ist? Wie groß die Gefahr des Populismus ist? Haben die AFD-Wähler kein Geschichtsunterricht gehabt? Unfassbar, dass es so viele Menschen gibt, die die einfachen Antworten für die Wahrheit nehmen und deshalb AFD wählen! Und das, wo wir uns so viel Mühe gegeben haben, den Diskurs auf reflektierte Weise zu führen und auf die Fragen der „Wutbürger“ einzugehen.

Impulstext von Hanna-Lena Neuser - Dezember 2017

Wir müssen reden.

Die Bundestagswahl ist schon seit Wochen vorbei, aber die Auseinandersetzungen haben gerade erst begonnen. Der Eklat auf der Buchmesse, als Kritik und Proteste gegen Veranstaltungen rechter Verlage mit Gewalt beantwortet wurden, und der Streit um die Deutung der Vorfälle zeigen die Verunsicherung und Uneinigkeit deutlich. Wie können wir mit diesem Aufstieg rechten und rechtsextremen Gedankenguts umgehen?

Impulstext von Mirjam Jekel - November 2017

Neustart Demokratie / Neustart Evangelische Akademie
– Eine transatlantische Perspektive

"Wenn Du es leid bist, mit Fremden im Internet zu streiten, dann versuch doch mal, mit einem davon im wirklichen Leben zu sprechen."

- Barack Obama, Abschiedsrede am 11. Januar 2017

 

 

Selten zuvor traten die Folgen gesellschaflicher Polarisierung so drastisch zutage wie mit der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten im November vor einem Jahr.

Impulstext von Dr. Margrit Frölich - Oktober 2017

Was von „Luther“ bleiben sollte

Endspurt in der „Reformationsdekade“: Nur wenige Wochen sind es noch bis zum 31. Oktober 2017, dem einmaligen Feiertag, an dem Staat, Gesellschaft und Kirchen in der Bundesrepublik sich an das Ereignis „Reformation“ erinnern, das sich symbolisch an jenem 31. Oktober 1517 festmachen lässt: dem Tag, an welchem Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses veröffentlichte. Dass er sie eigenhändig an die Tür der Wittenberger
Schlosskirche genagelt hätte, mit wuchtigen Hammerschlägen gar, das wird heute bezweifelt. Dass er sie jedoch versandte und sie eine breite Öffentlichkeit erreichten, das ist ebenso unstrittig wie die bekannten historischen Folgen. Zu diesen gehört wesentlich die Entstehung evangelischer Kirchen.

Impulstext von Dr. Eberhard Pausch - September 2017

Mehr Kunst im öffentlichen Raum

Ein Plädoyer

Mitte Juni nahm ich an einer Veranstaltung anlässlich des Anne-Frank-Tages in Frankfurt am Main teil, bei der es um die Frage von Kunst im öffentlichen Raum ging, einer Frage, der wir auch in der Akademie immer wieder nachspüren. Der öffentliche Raum wird zunehmend vereinnahmt, Freiräume werden beschnitten. Argumentiert wird dabei zum einen mit Erfordernissen der öffentlichen Sicherheit gegenüber einer wachsenden Terrorgefahr und damit einhergehend dem Wunsch nach einer stärkeren Überwachung des öffentlichen Raumes. Es sind aber auch handfeste ökonomische Gründe, die den öffentlichen Raum der Stadt einschränken, ihn zunehmend kommerzialisieren und privatisieren lassen, ein Phänomen, das vor allem in den Citys, den absoluten Innenstadtlagen der Großstädte und Ballungsräume zu beobachten ist.

Impulstext von Christian Kaufmann - August 2017

Zellen der Freiheit

„Freiheit“ ist ebenso hohes und wertvolles wie vielschichtiges und schwieriges Gut. Jeder will frei sein, niemand unfrei. Zentrale Freiheitsrechte wie Handlungs-, Gewissens-, Religions-, Meinungs-, Versammlungsfreiheit u.a. sind als Schutz des Einzelnen auch gegenüber dem Staat bewusst an den Anfang des Grundgesetzes gestellt – als Basis einer freiheitlichdemokratischen Grundordnung. Auch theologisch steht Freiheit zugleich am Anfang und im Zentrum des Glaubens. Der Exodus, die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, stellt die Urerfahrung des jüdischen Glaubens am Anfang der Geschichte des Volkes Israels dar. Das Kreuz Christi ist das christliche Symbol der Freiheit von Sünde, Tod und Teufel. Anknüpfend vor allem an Paulus hat Luther seine Schrift von der „Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) formuliert – mit der paradoxen Doppelpointe: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller
Dinge und niemanden untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.“
Das erste gilt, da er in Christus im Glauben lebt und „über sich“ in Gott fährt; das zweite, da er in der Liebe im Nächsten lebt und aus Gott „unter sich“ fährt.

Impulstext von Dr. Thorsten Latzel - Juni 2017

Die Entzauberung der Welt

In den aktuellen medizinethischen Debatten ist ein „Unbehagen an der Kultur“ spürbar. Neben sorgenvolle Bedenken treten hier jedoch auch hoffungsvolle Ausblicke und die Wiederbesinnung auf frühere Entdeckungen. So hatte sich kürzlich eine Konferenz in den USA mit dem Verhältnis von „Medizin und Religion“ beschäftigt und dabei in ihrer thematischen Ausrichtung auf den deutschen Soziologen und Ökonom Max Weber zurückgegriffen, der bereits vor knapp 100 Jahren die „Entzauberung der Welt“ prognostiziert hatte. Was Weber damals zuerst 1917 in seinem Vortrag und zwei Jahre später in seiner Veröffentlichung „Wissenschaft als Beruf“ ansprach, hat sich über das letzte Jahrhundert in der westlichen Welt nachdrücklich entfaltet:

Impulstext von Dr. Kurt W. Schmidt - Mai 2017

Das Postfaktische nicht fürchten


Beiträge zum Projekt einer doppelten Aufklärung

Die Vernunft ist derzeit weltweit in der Defensive. „Postfaktisch“ wurde in Deutschland zum „Wort des Jahres“ 2016 gewählt, so wie kurz zuvor „post-truth“ für den englischen Sprachbereich. Das Wort bezeichnet unter anderem die Verbreitung von gezielten Falschinformationen und Verschwörungstheorien im Internet und in sozialen Medien, die Millionen Menschen das Gehirn vernebeln. Hinzu kommen „alternative Fakten“, ein anderes Wort für
wahrheitswidrige Propaganda. Wahrheit und Unwahrheit, Fakten und Fiktionen sind für viele Menschen heute kaum noch unterscheidbar. Daran hat das Internet, haben social media ihren Anteil an Schuld. Politisch bildet sich diese Situation etwa im Sieg des USamerikanischen Milliardärs Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA mit all seinen problematischen Folgewirkungen ab.

Impulstext von Dr. Eberhard Pausch - April 2017

GROSSE WORTE, GROSSE WIRKUNG?

Wir erleben eine Zeit, in der das gesellschaftliche Zusammenleben auf vielen Ebenen vor Herausforderungen steht. Es ist nicht das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, dass es so ist – und es wird nicht das letzte Mal sein. Nichtsdestoweniger und als Kinder unserer Zeit erfordert es die aktuelle Lage, aktiv zu werden. Ein schlichtes „Weiter so!“ geht nicht.

Impulstext von Hanna-Lena Neuser - März 2017

 

Metaphysik

Metaphysik lautete der Titel der letzten Ausgabe der Quartalszeitschrift „Kunst und Kirche“ im Dezember 2016. „Metaphysik“, schrieb Hannes Langbein im Editorial zu dieser Ausgabe, „bedeutet Grenzüberschreitung: über die Physis, über die sinnliche Wahrnehmung der materiellen Welt hinaus… - Dennoch oder gerade deshalb haben sich Menschen – zumal Philosophen und Theologen – immer wieder darangemacht, diese Grenzen zu überschreiten, auf der Suche nach einem großen Ganzen, nach ersten Gründen, zeitlosen Prinzipien, nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält“.

Impulstext von Christian Kaufmann - Februar 2017

„Gnade“

Woraus leben wir

„Gnade“ ist ein eigenartiger, etwas verstaubter Begriff, aus den Kellerräumen des kollektiven Sprachgebrauchs. Er kommt meist nur noch in pathetischen Film-Szenen („Gnade!“) oder altertümlichen Wendungen vor: Gnaden-Brot, Gnaden-Gesuch, Gnaden-Frist, ... . Sein Gegenteil ist da schon eher vertraut, etwa bei Akten gnadenloser Gewalt. Zugleich reden wir aber auch von Gnade, wenn es um Erfahrungen außerordentlichen Glücks geht: etwa die besondere Begabung eines begnadeten Künstlers oder das überwältigende Geschenk, wenn einem ein Kind geboren wird.

Impulstext von Dr. Thorsten Latzel - Januar 2017

„Lutherjahr“ 2017

Ein wenig Melanchthon tut uns allen gut!

Wer in einer evangelischen Akademie arbeitet, steht immer auch in der Tradition des großen Humanisten und Reformators Philipp Melanchthon (1497-1560). Dieser war ohne Zweifel der beste Freund Martin Luthers (1483-1546). Und ihre Freundschaft war eine zwischen ebenbürtigen Personen, die in der Geistesgeschichte einen vorderen Rang einnimmt. In dieser Freundschaft war Luther der Ältere, der Führende, der Prophet und Charismatiker. Melanchthon war der Jüngere, der Geführte, der überragende Wissenschaftler und pedantische Arbeiter. Beide lernten sich kennen, als der junge Gelehrte 1518 an die Wittenberger Universität berufen wurde. Er galt zu diesem Zeitpunkt als Wunderkind, war humanistisch hoch gebildet und unglaublich sprachbegabt. Luther beherrschte zwar das Lateinische recht gut, aber Melanchthon war in allen Sprachen brillant und lehrte Luther auch das Griechische. Im Hebräischen überragte er Luther weit, so dass dieser immer wieder aus dem philologischen Füllhorn des Jüngeren schöpfte. Luther hatte sich 1517 mit seiner Kritik am Ablass weit vorgewagt.

Impulstext von Dr. Eberhard Pausch - Dezember 2016

Enhance yourself!

Von der Selbstliebe zum Selbstbild zur Ethik des Friedens

Der Dalai Lama: ein Mann, der ein Geflüchteter ist. Ein Mann, der seine Heimat verließ, vertrieben, bedroht, verfolgt. Er betet für seine Feinde und politischen Gegner. Er lebt Nächstenliebe auf sehr eindrückliche Weise. Und was mich besonders berührt: Er bringt dies mit einer Leichtigkeit zum Ausdruck, er lacht viel, er erscheint so unglaublich unverbittert, dass es kaum zu fassen ist. Wie macht er das? Könnte man lernen, ein bisschen zu sein wie er? Umfragen zeigen, dass er für über 20 Prozent der Deutschen ein geistiges Vorbild ist.
Vorbilder: Was machen wir mit ihnen? Wir suchen sie uns manchmal gar nicht aus. Sie sind einfach da. Sie faszinieren uns und mir geht es manchmal so, dass ich zunächst gar nicht genau weiß, warum diese Personen so beeindruckt.

Impulstext von Hanna-Lena Neuser - November 2016

 Gärtner - Mörder – Gott

Gott und der Ursprung des Bösen im Krimi

Ich wälze die Verantwortung ab. Aus dem gleichen Grund greifen die Menschen, die abends beruhigt einschlafen wollen, zu einem Krimi, weil er eine der großen metaphysischen Fragen befriedigt: Whodunit? – „Wer war’s?“ Das betrifft die Bibel ebenso wie den Krimi. In der Bibel ist das Problem hochkomplex, im Krimi ist die Lösung einfach.“

Die eingangs zitierten Worte von Umberto Eco stammen aus einem Interview mit der ZEIT im Herbst letzten Jahres (2015/39). Sie beschreiben die enge Beziehung zwischen Bibel und Krimi im Blick auf die Wirklichkeit des Bösen - und dem Versuch seiner Bewältigung durch Klärung der Schuldfrage.

Die Popularität des Kriminalromans ist augenfällig: Schätzung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zufolge ist jedes vierte Buch, das über den Ladentisch geht, ein Krimi und jeder dritte Euro im Bereich von Belletristik wird mit Mord und Totschlag verdient. Doch wie sieht die Lösung der Krimis eigentlich aus und ist sie tatsächlich so einfach? Wie verhält sie sich zu biblischen Deutungsmustern? Und auf wen zielt die Frage „Wer war’s?“ eigentlich genau: Auf den menschlichen Verbrecher, der so etwas tut, auf den allmächtigen und allgütigen Gott, der so etwas zulässt, oder auf die Strukturen, die Erziehung oder die Gesellschaft, die zu so etwas führen?

Impulstext von Dr. Thorsten Latzel - Mai 2016