Freihandel zwischen Ethik und handelspolitischen Interessen
Wirtschaftspolitisches Forum

Evangelische Akademie Frankfurt
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Dr. Brigitte Bertelmann, Prof. Dr. Dr. Barner, Johannes Grün, PD Dr. Ulrich Thielmann, Jakob von Weizsäcker
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Dr. Ulrich Thielemann - Direktor MEM - Denkfabrik für Wirtschaftsethik, Berlin
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Dipl.-Ökonomin und Referentin i.R., Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN

Die Veranstaltung hatte das Ziel, gemeinsam mit Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft mit entwicklungspolitischem Schwerpunkt darüber zu reflektieren, wie ein tragfähiges Handelssystem aussehen kann, das der ökonomischen Zersplitterung der Welt entgegenwirkt. Im Zentrum stand die Frage, wie Wirtschafts- und Handelspolitik in einer globalisierten Ökonomie gestaltet werden kann und welchen Spielregeln der Freihandel folgen sollte, um ungleiche Voraussetzungen der Handelspartner ausgleichen zu können. Galt Freihandel unlängst noch uneingeschränkt als das Credo, von dem sich insbesondere die westlichen Industrienationen leiten ließen und auf dem sich ihr Wohlstand begründete, so hat neuerdings die Diskussion um den Freihandel eine andere Richtung eingeschlagen, seitdem die amerikanische Regierung oder auch einige Politiker innerhalb Europas mehr Protektionismus zugunsten nationaler Handelsinteressen fordern.

Die Veranstaltung zielte darauf, unterschiedliche Perspektiven zu Wort kommen zu lassen und miteinander in Dialog zu bringen. Als Referenten wirkten mit: PD Dr. Ulrich Thielemann, Wirtschaftswissenschaftler, Begründer und Direktor des wirtschaftsethischen Forschungszentrums MeM – Denkfabrik, Berlin; Professor Dr. Dr. Andreas Barner, der ehemalige, langjährige Vorstandsvorsitzende der Unternehmensleitung von Boehringer, Ingelheim, eines führenden Pharmaunternehmens; Jakob von Weizsäcker (SPD) als Vertreter der Politik, der als Abgeordneter des Europäischen Parlaments insbesondere die europäische Perspektive in die Diskussion einbrachte; Johannes Grün, Referatsleitung des Bereichs Wirtschaft und Umwelt bei Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, Berlin, sowie die Moderatorin Dr. Brigitte Bertelmann, Dipl.-Ökonomin und langjährige Referentin im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN.

Den einführenden Impulsvortrag hielt der Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann. Mit seinen kritischen Positionen, der die Grundfrage stellte, ob es denn prinzipiell immer mehr Freihandel geben müsse, auch wenn dies, so seine These, auf immer mehr Deregulierung und wachsende Leistungsungleichheitsbilanzen sowie eine sich verschärfende Einkommenspolarisierung hinausliefe, bot der Referent einen markanten Einstieg in die Thematik, dessen Thesen im weiteren Ablauf der Veranstaltung differenziert und kontrovers diskutiert wurden. Sowohl Professor Barner als auch der SPD- und Europa-Politiker Jakob von Weizsäcker rückten die Vorzüge des globalen Welthandels in den Vordergrund. Johannes von Grün machte in seinem Plädoyer entwicklungspolitische Aspekte geltend und argumentierte, dass Handelsabkommen stärker auf den Ausgleich von Ungleichheiten zielen und Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen müssten. Jakob von Weizsäcker votierte für die Notwendigkeit einer sozialen Marktwirtschaft auf globaler Stufe. Dieser Position konnten sich alle Mitwirkenden auf dem Podium anschließen.

Die Veranstaltung setzte sich fundiert mit der Thematik Freihandel und den Strategien für eine gerechte Handelspolitik auseinander. Sie zeichnete sich durch hohe Qualität und differenzierte Betrachtungen seitens der Referenten und der Moderation aus, die durch fachkundige Wortbeiträge aus dem Publikum ergänzt wurden. Vielfach wurde in der Diskussion auch auf das aktuelle Heft der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema „Freihandel“ Bezug genommen, das zwei Wochen vor der Veranstaltung erschienen war. Klar erkennbar, wie aktuell die Thematik weiterhin ist. Virulent bleibt die Frage, ob Freihandel und Globalisierung handelspolitische Konzepte sind, die angesichts protektionistischer Tendenzen nunmehr der Vergangenheit angehören, oder welche Institutionen und Akteure zukunftsweisende Spielregeln eines gerechten und tragfähigen Handelssystems bestimmen werden.

"Ernesto, sprach die Frau Mama..."

Die 68er zwischen Geschichte und Tradition

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Die Tagung bestand aus unterschiedlichen Gesprächsformaten: Die gemeinsame Ausgangslage schaffte ein Vortrag von Prof. Dr. Meike Baader, die den Blick auf die Vielfältigkeit der Motive und Ideen „der 68er“ warf und am Beispiel der Kinderladen-Bewegung verdeutlichte, welche gesellschaftlichen Themen damals im Fokus standen. Dabei schaffte sie Querverweise auf parallel stattfindende Prozesse und Debatten zu dieser Zeit, die teilweise noch heute sichtbar sind. (Feminismus, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gender-Fragen, Rollenverhältnisse in Familien etc.).

Am Abend des 9.03. schloss daran eine Lesung und ein Gespräch mit Martin Miller an, der als Kind von Alice Miller nochmals einen sehr emotionsgeladenen Blick auf seine Familiengeschichte warf, die in besonderer Weise die Ambivalenzen der Zeit spürbar und sichtbar machte. Die Eltern, die zum Teil Nazi-Vergangenheiten hatten, die sich dann aber in der Entwicklung einer neuen Erziehung einbringen.

Der Samstag begann mit einer Podiumsdiskussion mit Frau Prof. Dr. Baader (wissenschaftliche Perspektive), Robert Wolff (Nachwuchswissenschaftler und „Kindergeneration“) sowie Dr. Diether Dehm (Zeitzeuge). Hier wurde nochmals gezielt auf die Ambivalenzen der Zeit und der 68er-Generation in ihrer weiteren Entwicklung eingegangen. Welches Verhältnis haben damalige Aktivisten zu Themen wie Gewalt, Sexualität, Erziehung, staatlicher Macht und schließlich auch zu den heiklen Fragen zur Haltung gegenüber Israel. Hier wurde zum Teil sehr kontrovers argumentiert und auch das Publikum brachte sich mit ihrer Sichtweise in die Diskussion ein.

Zum Abschluss der Tagung wurde das Thema Bildung nochmals in den Fokus gestellt. In einem Streitgespräch diskutierten Vertreterinnen einer Freien Schule, die aus der 68er-Bewegung entstanden war, einer ehemaligen Schulleiterin an einer staatlichen Schule sowie Prof. Dr. Bernhard Dressler über die Entwicklungen im Bildungssystem in den letzten 50 Jahren. Auch hier beteiligten sich viele Gäste im Publikum – insbesondere Pädagoginnen und Pädagogen.

Zwischen den einzelnen Programmpunkten war jeweils viel Zeit eingeplant für den intergenerationellen Dialog und den persönlichen Austausch über die Themen der Tagung.

Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen
Gemeinsame Interessen, Werte und Herausforderungen

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Donald Trump hat mit seiner Politik das transatlantische Verhältnis gründlich verändert. Das aktuell in Deutschland wahrzunehmende starke Interesse an der Frage, wie sich die transatlantischen Beziehungen weiterentwickeln werden, bildeten den Ausgangspunkt der Veranstaltung. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit namhaften USA-Experten darüber zu reflektieren, wie der derzeitigen Entwicklung entgegenwirkt werden kann: die von vielen auf beiden Seiten des Atlantiks empfundene Abkoppelung der USA von der von den Vereinigten Staaten nach 1945 aufgebauten Nachkriegsordnung. Das Konzept der Veranstaltung bestand darin, je zwei fachlich ausgewiesene amerikanische Experten mit zwei Experten aus Deutschland in einen Dialog zu bringen. Im Zentrum stand die Frage, was politisch und ökonomisch geschehen muss, damit die transatlantischen Beziehungen basierend auf gemeinsamen Werten nachhaltig weiterentwickelt werden können und nicht in ihren Grundfesten beschädigt werden. Dabei ging es auch um die Frage, wie Politik und Zivilgesellschaft in Deutschland, Europa und den USA Tendenzen entgegenwirken können, die die freiheitliche Demokratie des Westens in Frage stellen. Diskutiert wurden insbesondere auch folgende Aspekte: die Signalwirkung von Trumps Steuerreform und ihre Folgen; die Außenpolitik der amerikanischen Regierung, insbesondere das Verhältnis zu Russland, die Ergebnisse der Münchener Sicherheitskonferenz, die Auswirkungen der amerikanischen Außenpolitik auf NATO und UN, mögliche transatlantische Handelskonflikte angesichts der von amerikanischer Seite angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte sowie weitere Kernpunkte von Trumps Handels- und Sicherheitspolitik und deren Auswirkungen auf das transatlantische Verhältnis.

Die Podiumsdiskussion zeichnete sich dank der hochkarätigen Referenten durch tiefgründige und differenzierte Analysen aus und beleuchtete alle oben genannten Kernfragen. Auch war die Resonanz auf die Veranstaltung außerordentlich groß, und die Teilnehmenden beteiligten sich lebhaft und mit fundierten Beiträgen an der Diskussion. Aufgrund der Kooperation einschlägiger regionaler und überregionaler Kooperationspartner – das US-Generalkonsulat Frankfurt, die Junge Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und die Frankfurter Rundschau als Medienpartner – gelang es, eine breit gefächerte Zielgruppe anzusprechen. Mitwirkende der Veranstaltung waren: Peter S. Rashish, Wirtschaftsberater, Senior Fellow und Leiter des „Geoeconomics Program“ am American Institute for Contemporary German Studies (der Johns Hopkins University) in Washington, D.C., der Amerikanistikprofessor Crister S. Garrett, Lehrstuhlinhaber an der Universität Leipzig; der Politikwissenschaftler Dr. Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin und die WDR-Fernseh-Journalistin und ehemalige Washington-Korrespondentin Ina Ruck. Kompetent moderiert wurde das Podium von Andreas Schwarzkopf von der Frankfurter Rundschau.