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Ambulante Ethikberatung in Deutschland

Evangelische Akademie Frankfurt

Derzeitiger Stand und aktuelle Herausforderungen

Die Tagung war mit 85 TeilnehmerInnen komplett ausgebucht. Als Ergebnis der Tagung lässt sich festhalten, dass die Angebote ambulanter Ethikberatung deutschlandweit zunehmen, die Resonanz auf das Angebot mehrheitlich als hilfreiche und entlastende Unterstützung erfahren wird, zugleich wird jedoch von vielen Seiten eine zu geringe Nachfrage und unklare Finanzierung beklagt.

Nachdem im Herbst 2016 mit Unterstützung des Fördervereins der Evangelischen Akademie erstmals jene Akteure nach Frankfurt eingeladen werden konnten, die in Deutschland „Ambulante Ethikberatung“ anbieten, hatten wir zu einer Nachfolgeveranstaltung eingeladen, um über den derzeitigen Stand zu informieren und aktuelle Fragestellungen zu besprechen. Es zeigte sich, dass sich manche Projekte inzwischen erfolgreich etabliert haben, auf positives mediales Echo gestoßen sind und hilfreiche Unterstützung vor Ort erfahren haben. Einige Berichte wiesen allerdings auch darauf hin, dass nach einer hoffnungsvollen Startphase eine gewisse „Ernüchterung“ eingetreten war, da die Fallanfragen nicht so zahlreich waren, wie von den Mitarbeitenden erhofft. Solche Verläufe sind allerdings auch von anderen Projekten bekannt und deshalb erschien es sinnvoll, sich bei dieser Tagung über hilfreiche Formen der Weiterarbeit zu verständigen.

Als roter Faden zeigte sich, dass es wichtig ist, das Ziel der „Ambulanten Ethikberatung“ im Auge zu behalten: Es soll für Patientinnen und Patienten im ambulanten Bereich, Angehörige, Hausärztinnen und Hausärzte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ambulanter Pflegedienste eine Unterstützung bei ethischen Entscheidungen anbieten und damit zu einer Verbesserung der Kommunikation zwischen Hausarzt, Pflegekräften und Patient/Angehörigen beitragen.

Eine im Vorfeld der Tagung deutschlandweit durchgeführte Online-Umfrage hatte ergeben, dass sich die Anzahl der Ambulanten Ethikberatungsprojekte in Deutschland im Vergleich zum Stand vor zwei Jahren mehr als verdoppelt hat und derzeit bei über 40 liegt, weitere 15-20 Projekte sind in Planung. Gegenüber 2016, als die meisten Projekte an Palliativstrukturen angebunden waren, gibt es jetzt auch vermehrt Projekte, die über eigenständige Vereine oder Landesärztekammern organisiert sind. Für die Durchführung der ethischen Fallbesprechungen wird die Interprofessionalität bei der Zusammensetzung der Moderatoren als hilfreiches und wichtiges Kriterium erfahren. Allerdings bleibt es ein Problem, dass nahezu Dreiviertel der Projekte nach wie vor auf ehrenamtlicher Basis arbeiten und die Finanzierung nicht zufriedenstellend gelöst ist.

In Hinblick auf die inhaltliche Arbeit berichten nahezu alle Projekte über eine positive Resonanz: Alle Beteiligten insbesondere auch Pflegende und Angehörige, berichten über eine erhebliche Entlastung und Erleichterung, wenn sie in ethischen Konfliktsituationen durch eine Fallbesprechung begleitet werden.

Weitere Programmpunkte der Tagung waren (1.) die Vorstellung einer Studie, die den Bedarf von Ethikberatung bei Hausärzten erfragte, (2.) die Frage der Schweigepflicht in der ambulanten Ethikberatung und (3.) Diskussion von Lösungswegen für die beobachtete Diskrepanz zwischen geäußertem hohen Bedarf und der in der Praxis geringen Inanspruchnahme ambulanter Ethikberatung. So wünschen sich Hausärzte vor allem zusätzliche Unterstützung in Form einer telefonischen Ethikberatung. Auf der Grundlage der aktuellen Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) muss nun eine explizite Schweigepflichtsentbindung durch den Patienten bzw. rechtlichen Vertreter (oder alternativ eine Anonymisierung) vor ethischen Fallbesprechungen erfolgen.

In die Evangelische Akademie hatte das Zentrum für Ethik in der Medizin am Agaplesion Markus Krankenhaus, die Medizinethik der Philipps-Universität Marburg, die Landesärztekammer Hessen und die Akademie für Ethik in der Medizin e.V. eingeladen.