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Sportsgeist

Social Fairplay aus evangelischer Sicht

9,5 Thesen zum Halbjahresthema

1. „Sport is my spirit“: Sport bietet Raum für besondere persönliche Erfahrungen. Der Geist, der beim Sport erfahren wird, kann jedoch höchst unterschiedlich sein: fantastisch oder fanatisch, fair oder foul, sozial oder asozial.

2. Zu „Sportsgeist“ im positiven Sinn gehören Fairness, Teamgeist, Leistungswille. Wo sie gemeinschaftlich erlebt werden, entstehen bewegende Erinnerungen. Sport kann dabei ethische Leitbilder schaffen, etwa mit der ausge­streckten Hand für den am Boden liegenden Gegner.

3. Zugleich steht solcher „Sportsgeist“ gesell­schaftlich eher auf der Liste gefährdeter Arten. Er droht den Tod olympischer Sonntagsreden zu sterben. Eine moralisierende Schönrederei angesichts der harten Realität unsozialer Wett­kämpfe und eines Eliteversagens innerhalb wie außerhalb des Sports.

4. „Social Fairplay“ – das meint etwas anderes, als so zu foulen, dass es der Schiri nicht mitbe­kommt. Es heißt, Regeln einzuhalten, auch wenn es einem selbst oder dem eigenen Team schadet. Auf und neben dem Platz.

5. Die Theatralik dagegen, mit der gerade Fußballprofis oftmals Schiedsrichter-Entscheidungen diskutieren, ist Spiegelbild eines postfaktischen Ungeistes. Wahrheit wird mit subjektiven Wunschgebilden verwechselt. An einer solchen Einstellung ändert auch Technik nichts.

6. Doping als negatives Leitbild ist entsprechend längst nicht mehr auf den Sport begrenzt. Illegitime Leistungssteigerung durch Drogen wird auch andernorts immer stärker praktiziert. Es ist Sportsgeist im negativen Sinn, wenn für das eine Erfolgserlebnis alles andere geopfert wird: „Give me one moment in time.“

7. Gerade wenn man Sport liebt, tut es gut, ihn vor politischer, ökonomischer, religiöser oder moralischer Überlastung zu schützen. Er sollte Spiel sein – leidenschaftlich, engagiert, konzen­triert –, aber Spiel. Eben schönste Nebensache.

8. Die Vorliebe von Diktatoren für politische Großereignisse dagegen sollte nachdenklich stimmen: „Sport ist Opium fürs Volk“ (Percy Cummings). Demokratien brauchen einen anderen Sportsgeist als den massenmedial perfektionierter „Brot und Spiele“ mit Panini­-Bildern von Superstars an der Kasse.

9. Zu einem demokratischen „Sportsgeist“ gehört die Kunst, verlieren zu können. Breitensport, vierte Plätze und die Akzeptanz von Regeln zählen ebenso dazu wie positiver Leistungswille und die Erfolge Einzelner.

9.5 Der christliche Glaube kann helfen, die „Sportsgeister“ zu unterscheiden. Und er kann selbst vom Sport lernen, etwa eine packende Freude an schöner Schöpfung, hartem Training und fairer Leistung.

Dr. Thorsten Latzel