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Trotzdem!

Von der Kunst des Bäumepflanzens

Kleine Worte spielen oft eine große Rolle, im Glau­ben wie im Leben. „Trotzdem“ zählt zu diesen klei­nen, unscheinbaren Beiworten. Wenn ich nur einen Begriff hätte, um den christlichen Glauben zu be­schreiben, „trotzdem“ wäre ein Kandidat. In ihm drückt sich die einzigartige Haltung zur Welt aus, die ganz durch das Kreuz Christi bestimmt ist.

Trotzdem!

• Auch wenn mit dem Tod „alles aus“ ist, vertraue darauf, dass Gottes Wege mit uns damit nicht zu Ende sind.

• Obwohl Hass und Gewalt grausame Wirklich­keit sind, sei gewiss, dass sie am Ende der Macht der Liebe weichen müssen.

• Und wenn tausendmal „alle es tun“ und „die Welt nun einmal so ist“, lebe aus der inneren Freiheit des Glaubens heraus, die sich davon nicht bestimmen lässt.

• Du bist „abgrundtief geliebt“, egal was ist, war oder sein wird. Das bestimme, wie du mit dir selbst umgehst, mit deinen Mitmenschen, mit deinen Mitgeschöpfen. Sie sind es auch.

• Zum Wesen der Hoffnung gehört, dass sie nicht sieht und doch glaubt. Darum hoffe wider allen Augenschein. Und singe in der Nacht vom Mor­gen des neuen Tages.

• Finde dich nicht ab mit den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Die Kraft zum Widerstand gehört zu den protestantischen Ur­-Genen deines Glaubens.

• Am Ende wird Gott einmal alles in allem sein, die Aufhebung aller Gegensätze, das Ende aller Feindschaft. Möge dein Leben im Licht dieser ewigen Liebe Gottes tiefer, weiter und schöner werden.

Martin Luther wird der Spruch zugeschrieben: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch ein Apfel­bäumchen pflanzen.“ Auch wenn er den Satz wohl niemals so gesagt hat, hätte er zu ihm gepasst: zur paradoxen Freiheit des evangelischen Glaubens und seinen ganz konkreten Folgen.

Ob „die Welt“ (als Inbegriff von allem, was ist) untergeht oder nicht, steht schlicht nicht in unserer Hand. Das ist Gottes Sache. Unsere Aufgabe ist es, Bäumchen zu pflanzen: „Trotzdem­-Bäume“, mitten in meiner Stadt, an allen möglichen und unmöglichen Orten, als urwüchsiges Zeichen der Hoffnung für andere. Ein Guerillagärtnern der Liebe. Lasst uns anfangen zu pflanzen!

Dr. Thorsten Latzel

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