Vertraut! - Demokratie

Auftakt der Jungen Akademie Frankfurt

Evangelische Akademie Frankfurt
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Bereits zum fünften Mal startet im Februar 2021 die Junge Akademie in ihr Programm zum Thema Vertrauen. 30 besondere junge Menschen machen sich gemeinsam mit uns auf den Weg in ein spannendes Projekt-Jahr. Aufgrund der aktuellen Lage konnten wir in diesem Jahr leider nicht wie üblich mit einem verlängerten Auftakt-Wochenende in Arnoldshain starten. Die Entscheidung, den Auftakt in den digitalen Raum zu verlegen ist uns besonders schwer gefallen, ist doch gerade bei diesem Projekt das soziale Miteinander, die Begegnung und die Entwicklung eines Wir-Gefühls besonders wichtig. Aber was nicht geht, geht nicht.

Also haben wir umgeplant und neu gedacht und daraus einen „Teil 1“ des Auftakts im digitalen Raum entworfen, in dem das gegenseitige Kennenlernen den gleichen Stellenwert hatte wie das miteinander über Demokratie nachdenken. Mit einer bunten Mischung aus digitalen Methoden des Teambuildings konnten die 30 Stipendiatinnen und Stipendiaten sich kennenlernen und herausfinden, welche Menschen in diesem Jahr mit ihnen zusammen an einer sturmfesten Demokratie bauen wollen.

Im ersten spannenden Impulsvortrag von Prof. Dr. Frank Decker (Bonn) konnten sie sich mit der empirischen Sicht auf das Vertrauen in unserer Demokratie auseinandersetzen. Die theologische Perspektive brachte am zweiten Tag Prof. Dr. Christian Polcke (Göttingen) ein. Mit beiden Referenten konnte die Gruppe im Anschluss ausführlich diskutieren du Nachfragen stellen.

Das Format im digitalen Raum hat erfreulich gut funktioniert – wenngleich in der Feedback-Runde natürlich oft der Wunsch nach realer Begegnung geäußert wurde. Diesem Wunsch können wir hoffentlich bei „Teil 2“ des Auftakts Ende April nachkommen, wenn wir – hoffentlich wie geplant – das Wochenende in Arnoldshain nachholen können.

Schuld und Scham. Von der Menschlichkeit des
Menschen und der Geschichte vom Fall

Tillich-Lectures 2021

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Am 8. Juni fanden die „Tillich-Lectures“ 2021 zum Thema „Schuld und Scham: Von der Menschlichkeit des Menschen und der Geschichte vom Fall“ in digital-hybrider Weise statt. Vor Ort anwesend waren als Moderator Prof. Dr. Heiko Schulz, als Vortragender Prof. Dr. Knut Berner sowie für die Ev. Akademie Frankfurt Studienleiter Dr. Eberhard Pausch – alle drei Evangelische Theologen. Per „Zoom“ zugeschaltet wurde Frau Prof. Dr. Maria Sibylle Lotter, sie hat einen Lehrstuhl für Philosophie inne und hat sich viele Jahre lang mit den anthropologischen Grundphänomenen „Schuld“ und „Scham“ wissenschaftlich beschäftigt.

Die Theologie Paul Tillichs (1886-1965) fungierte in dieser Veranstaltung einmal mehr als hermeneutischer Schlüssel für die Themenerschließung, ist doch seine methodische Grundannahme die, dass nur in einer Doppelperspektive von Philosophie und Theologie (Stichwort: „Korrelationsmethode“) die menschliche Existenz hinreichend thematisiert werden kann. Als Stichwortgeber eignet sich Tillich freilich nur bedingt, da zwar das Thema „Schuld“ bei ihm ausführlich erörtert wird, aber das Register seines Hauptwerkes „Systematische Theologie“ den Begriff der „Scham“ gar nicht ausweist. Das wiederum heißt nicht, dass das Thema bei ihm keine Rolle spielen würde. Tillichs existenzphilosophische Terminologie hat nur andere Begriffe für das Phänomen der „Scham“ gefunden.

Von Hegel und Marx hat Tillich den Begriff der „Entfremdung“ übernommen, und selbst war er begriffsschöpferisch tätig und prägte die schöne Metapher von der „träumenden Unschuld“. Was sich im Menschen jenseits seiner „träumenden Unschuld“ ereignet, lässt sich mit Begriffen wie „Entfremdung“, „Schuld“ und „Scham“ charakterisieren, womit das Thema hinreichend umrissen wäre.

Eine vertiefte Befassung mit den Themen „Schuld/Scham“ und „Schuldzuweisung/Beschämung“ in den westlichen Gesellschaften der Gegenwart bot der Vortrag von Frau Lotter. Sie unterschied dabei deutlich zwischen einerseits der Bearbeitung von Schuldphänomenen etwa in der historischen Aufarbeitung von Völkermorden wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts an den Herero und Nama geschehen – hierbei seien Schuld und Scham zu Recht als Kategorien im Spiel, die es ermöglichen, geschehenes Unrecht zu identifizieren, Schuld anzuerkennen und einen Beitrag zur Wiedergutmachung/Entschädigung zu leisten. Dies sei möglich, legitim und notwendig. Andererseits aber gebe es problematische gegenwärtige Diskurse, in denen sich als „Opfer“ identifizierende Gruppen andere Gruppen, die sie als „Privilegierte“ wahrnähmen, mit Begrifflichkeiten wie „Critical Whiteness“, „toxische Männlichkeit“, „alte weiße Männer“ usw. denunzierten, um sich selbst Vorteile auf Kosten der anderen zu verschaffen. Beschämung und Schuldzuweisung würden hierbei gezielt als „Waffen“ eingesetzt, die andere bewusst verletzten und in ihren Rechten einschränkten und benachteiligten. Ein ganz aktuelles Beispiel seien „Transgender“-Gruppen, die Feministinnen attackierten und als „trans-phob“ verleumdeten, weil die feministischen Frauen auf ihrem Recht bestehen wollen, etwa Toiletten nur für Angehörige ihres biologischen Geschlechts vorzuhalten oder in Sportwettkämpfen Menschen auszuschließen, die sich selbst als weiblich definierten, aber aufgrund ihres weiterhin biologisch männlichen Körpers in Konkurrenzen mit biologisch eindeutig als weiblich zu erkennenden Personen erhebliche Vorteile hätten.

Knut Berners Vortrag wählte zwar zur phänomenologischen Charakterisierung von Schuld und Scham einen Einstieg über Werke Franz Kafkas, trug aber sehr bald schon eine genuin theologische Perspektive in die Diskussion ein. Es fragt sich nicht nur von Tillichs Ansatz her, ob eigentlich Schuld oder nicht vielmehr Scham das ursprünglichere der beiden Grundgefühle sei – oder ob beide gleichursprünglich und auch gleichwertig gedacht werden müssen. Jedenfalls kann in der existenziellen Wirklichkeit das eine Gefühl ohne das andere wohl nicht vorkommen – beide bedingen einander in spezifischer Weise. Mochte auch der Apostel Paulus beteuern, er schäme sich des Evangeliums nicht (Römer 1,16), so sind doch in der Gegenwart religiöse Phänomene wie „Beten/Gebet“ und „die Bitte um Vergebung“ und „die Gewährung von Vergebung“ immer auch mit Scham verbunden. Nicht nur in der im 1. Buch Mose erzählten Urgeschichte, auch in der faktischen Historie und in der komplexen Gegenwart sind Schuld und Scham mit ihren vielfältigen Konnotationen und Auswirkungen präsent. Daher ist es tröstlich, um Gottes Präsenz bei uns zu wissen – und um seine Präsenz gerade auch in der Verborgenheit. Denn Gottes unverborgenes Licht würden Menschen nicht aushalten. „Dann würde nur die Scham überleben.“ (Berner)

Beide Vorträge riefen eine Reihe von Fragen hervor, die im Chat übermittelt wurden und sich in drei Kategorien clustern ließen: „westliches vs antikes und östliches Verständnis von Schuld und Scham“, „Schuld und Tragik“, „Schuld und Scham – gleichursprüngliche und gleichwertige Phänomene?“.

Im „Zoom-Live-Streaming“ waren ca. 35 Personen präsent, auf Youtube gab es am Abend des 8. Juni an die 100 Aufrufe des Clips. Das beweist das große Interesse am Thema. Und auch in den Folgetagen wurde das Video noch viele Male abgerufen.  

Young BarCamp: EU’ll love it!

Internationale Begegnung trotz Corona – Erstes europäisches Online-Jugend-BarCamp

Evangelische Akademie Frankfurt
Danksagungskarte für die Teilnehmende aus Screenshots vom Young BarCamp – EU’ll love it am 6.5.2021.

Was haben Memes, finnischer Rap und slowenische Jugendpolitik miteinander zu tun? Bei einem BarCamp gibt es kein vorgeschriebenes Programm. Jede und Jeder kann ein Programmpunkt vorschlagen. Und so ergab sich eine veritable Wundertüte aus lustigen, überraschenden und nachdenklich stimmenden Inhalten – von Jugendlichen, für Jugendliche, quer durch Europa.

Warum BarCamp und was ist es überhaupt?

Aber fangen wir am Anfang an. Was ist eigentlich ein BarCamp und wie entstand die Idee, eins am 6.5.2021 unter dem Motto „young, european, online“ zu organisieren? Die Antwort auf der zweiten Frage könnte ganz kurz mit dem Wort „Pandemie“ beantwortet werden. Keine Schulaustausche, kein Erasmusprogramm, teilweise geschlossene Grenzen zwischen europäischen Nachbarländern. Wie sollen europäische Jugendliche da miteinander in Kontakt kommen, fragten wir uns. Auch später werden nicht alle Jugendliche reisen können oder wollen (Stichwort Klimawandel). Also höchster Zeit, digitale Begegnungsmöglichkeiten zu erschaffen, die auch nach der Pandemie attraktiv bleiben.   

Ein BarCamp erschien uns da eine gute Idee, da es für ein Format steht, das viel Freiheit zulässt, an den Interessen der Teilnehmende ansetzt und zur Interaktivität ermuntert. Bei einem BarCamp gibt es nämlich keine oder kaum eingeladene Referierende und keine harte Aufteilung in „Expert*in“ und „Publikum“. Stattdessen sind die Teilnehmenden gleich Teilgebende. Jeder und jede hat die Möglichkeit, Themen, Methoden und Fragen für eine sogenannte „Session“ vorzuschlagen – eben zu dem, was sie interessieret oder worüber sie sich mit anderen jungen Europäer*innen gerne austauschen würden. Eine Session ist 45 Minuten lang und kann ein Workshop, eine Diskussion, ein Spiel, ein Brainstorming oder etwas ganz Anderes sein. Meistens leben sie davon, dass die Teilnehmende sich aktiv einbringen und eigene Erfahrungen oder Meinungen teilen, mitdenken und mitdiskutieren. Nur die Grundstruktur der Veranstaltung steht im Vorhinein fest: ein “leerer” Stundenplan mit Zeitfenster und virtuellen Räumen, der am Anfang der Veranstaltung gemeinsam gefüllt wird anhand der Sessionvorschläge und des Interesses der Anwesenden.

Bandbreite – bei Themen wie Zeitzonen 

Für unseres BarCamp bedeutete dies ein herrliches Potpourri aus Themen und Vorhaben, zusammengesetzt von Menschen aus sieben EU-Ländern und drei verschiedenen Zeitzonen. Einige Sessions befassten sich mit europapolitischen Themen, beispielsweise eine Diskussion zur Zukunft Europas anhand eines selbstproduzierten Impulsvideos oder eine Spurensuche dazu, was der EU-Eintritt für eine Stadt wie Nowy Sącz in Polen bedeutete. Aber es gab auch kreative Angebote zu ganz anderen Themen wie z.B. ein graphisches Stille-Post-Spiel zu europäischen Idiomen oder das Erstellen eines eigenen Liedtexts zu einer finnischen Rapvorlage. Sich sein individuelles Programm zusammenzustellen und zu entscheiden, zu welcher Session man als nächstes möchte, war durchaus mit Abwägungen verbunden.

Vor allem aber bedeutete die Veranstaltung für die fast 60 Teilnehmende eine Chance, mitten in der Pandemie, ein Einblick in den Alltag ihrer europäischen Peers zu bekommen. Wer nahm von Zuhause aus teil? Wer saß im Klassenzimmer und wie sah es da aus? Bei wem gab es Schuluniformen und wo war es am lautesten? Hier wurden kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar und Eindrücke gewährt, die man sonst nur beim Reisen entdecken kann.  

Graphische Vermittlung als niedrigschwelliges Kommunikationsmodell

Dass wir am Ende nicht nur Teilnehmende aus drei deutschen Städten (zwei in Hessen) erreichten, sondern auch aus Portugal, Österreich, Irland, Polen, Slowenien und Finnland war für das erste Mal ein großer Erfolg. Das war eine der schwierigen Fragen, mit der wir am Anfang haderten: wie erklären wir Jugendlichen im europäischen Ausland, worum es bei einem BarCamp geht und warum man da teilnehmen sollte? Um die Kommunikation zu erleichtern erstellten wir Webseiten mit allen Infos auf Englisch und Deutsch und ließen auch einen Erklärfilm erstellen. Somit wollten wir ein niedrigschwelliges Informationsangebot griffbereit haben, in dem in gerade mal 72 Sekunden verständlich werden sollte: was ist ein BarCamp und wozu ist es gut? Jeder angemeldeten Gruppe erhielt darüber hinaus auch das Angebot eines Online-Vortreffens, um sich mit der Technik bekannt zu machen, sich über Ideen für eine Session auszutauschen und sonstige Fragen zu klären. Somit war es in der Vorbereitung eine durchaus anspruchsvolle Veranstaltung – aber auch eine, die sich richtig gelohnt hat!

Der Einfluss der Evangelikalen in den USA und Brasilien

Die Online-Veranstaltung untersuchte den gesellschaftlichen und politischen Einfluss der Evangelikalen in den USA und Brasilien. In den USA, einem von religiöser Pluralität sowie der Trennung von Staat und Kirche geprägten Land, machen die Evangelikalen etwa ein Viertel der Bevölkerung aus. Bei den Präsidentschaftswahlen 2020 gaben drei Viertel der Evangelikalen Donald Trump ihre Stimme. Brasilien ist im Unterschied zu den USA ein stark katholisch geprägtes Land. Doch seit den 1970er Jahren vollzieht sich ein tiefgreifender religiöser Wandel: der Einfluss der katholischen Kirche geht rapide zurück, während der der Evangelikalen (Pfingstkirchen und Neo-Pfingstkirchen) signifikant ansteigt. Dies ist eine Entwicklung, die sich in vielen lateinamerikanischen Ländern beobachten lässt, in Brasilien jedoch besonders stark ist. Mit ihrem konservativen Weltbild prägen die Evangelikalen die Werte vieler Brasilianer, zum Beispiel im Hinblick auf Familie, Sexualität, Geschlechterrollen, evangelikale Prediger nehmen Einfluss auf das politische Wahlverhalten der Gläubigen. Der umstrittene Präsident Jair Messias Bolsonaro wurde mit hoher Zustimmung der Evangelikalen gewählt. Mit Bolsonaros Präsidentschaft ist „die Demarkationslinie zwischen Politik und Religion durchlässiger geworden“ (Claudia Zilla).

Folgende Themen und Fragestellungen wurden aufgegriffen: Wie lässt sich der Aufstieg der Evangelikalen in den USA und Brasilien erklären? Demographie, Geschichte, Glaubensinhalte, spirituelle Praxis, Organisationsformen der Evangelikalen, Engagement in Seelsorge und Sozialarbeit, öffentlicher Einfluss durch Medien und Bildungseinrichtungen. Verschränkung von Politik und Religion: Wie erklärt sich die hohe Zustimmung der Evangelikalen in den USA zu Trump? Wie wirkt sich der politische Gestaltungswille der Evangelikalen in den USA und Brasilien aus? Auswirkungen auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung in beiden Ländern; zunehmender Nationalismus unter weißen Evangelikalen in den USA und Demokratiegefährdung; Auswirkungen auf den Umgang mit der Corona-Pandemie.

Mit dem Religionssoziologen und USA-Kenner Professor Detlef Pollack von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Politikwissenschaftlerin Dr. Claudia Zilla von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin (Autorin der Studie „Die Evangelikalen und die Politik in Brasilien) konnten zwei ausgewiesene Expert*innen für diese Veranstaltung gewonnen werden. Die Online-Veranstaltung stieß auf hohes Interesse und außerordentlich positive Resonanz bei unserem Publikum. Es dürfte lohnenswert sein, das Thema in weiteren Veranstaltungen fortzusetzen.

„Seidene Fäden: Europa - USA – China“

Präsentation des Friedensgutachtens 2021

Evangelische Akademie Frankfurt

Das Friedensgutachten 2021 enthält – in aller Kürze zusammengefasst – drei zentrale Botschaften:

  1. „America is back“: Durch den Wahlsieg des US-Präsidenten Joe Biden sind die USA wieder Mitspieler im weltpolitischen Multilateralismus. Das ist im Vergleich zu den vergangenen vier Jahren eher eine gute Botschaft für Europa und die Welt, wenngleich auch unter der neuen US-Regierung die USA ihre Interessen vertreten werden, die nicht in jeder Hinsicht identisch sind mit denen Europas.
  2. „Europa kann mehr“ – so ist das Gutachten insgesamt überschrieben. Gemeint ist damit, dass Europa noch mehr Möglichkeiten hätte, zum Frieden in der Welt im Rahmen der Förderung der Sustainable Development Goals beizutragen, wenn es sich politisch noch besser koordinieren und stärker als Einheit auftreten würde.
  3. China muss mehr denn je beachtet werden. Die Volksrepublik China ist zur zweiten Weltmacht nach den USA (oder sogar gleichrangig mit diesen) aufgestiegen. Das Fokus-Kapitel des Gutachtens widmet sich der Herausforderung, die sich daraus für Europa ergibt. Ein aktuelles Beispiel der Herausforderung betrifft die sog. „Neue Seidenstraße“.

Die Präsentation des aktuellen Friedensgutachtens erfolgte in drei Schritten:

  1. Einführung in das Gesamtgutachten (Dr. Claudia Baumgart-Ochse, HSFK)
  2. Einführung in das Fokuskapitel (Dr. Pascal Abb, HSFK)
  3. Podiumsgespräch mit Dr. Pascal Abb (HSFK), Johanna Klabisch („China-Haus“, eine zivilgesellschaftliche Organisation), Omid Nouripour MdB (Bündnis 90/Die Grünen, außenpolitischer Sprecher), Dr. Volker Stanzel (SWP, ehemaliger Botschafter), Dr. Gudrun Wacker (SWP), Moderation: Dr. Eberhard Martin Pausch (Ev. Akademie)

Im Rahmen des Gespräches wurden u.a. folgende Fragen gestellt und multiperspektivisch diskutiert:

- Was ist eigentlich an der „Seidenstraße“ so Besonderes und Wichtiges? Zunächst einmal ist es ja nur ein Verkehrsweg unter anderen – oder? Welche politische und wirtschaftliche Bedeutung kommt der „neuen Seidenstraße“ zu?

- Wie ist aus der Sicht von Politik und Zivilgesellschaft der Vorschlag des Friedensgutachtens einzuschätzen, Europa sollte eine Art „Mittlerrolle“ zwischen den USA und China einnehmen? Wäre nicht eine kritischere Positionierung gegenüber China wünschenswert?

 - Kann Europa überhaupt eine „Mittlerrolle“ einnehmen, oder sollten wir eine starke „westliche Achse“ bilden und Chinas Politik deutlicher hinterfragen?

- Wie breit und tragfähig ist der Konsens mit China bezüglich der Afrika-Politik, der nach Dr. Abbs Darstellung mindestens dreierlei umfasst: den Kampf gegen die Armut, den Kampf gegen Piraterie und den Kampf gegen den Islamismus? Sind diese drei Gesichtspunkte ausreichend, um eine kohärente Friedenspolitik im Blick auf Afrika zu begründen?

 - Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (1918-2015) hat mehrfach die These vertreten, die chinesische Politik sei wesentlich von der Philosophie des Konfuzius geprägt und nur von daher verständlich. Und explizit bezieht China sich ja auf die Philosophie und die Analysen von Karl Marx. Müsste man nicht mit China über Konfuzius sprechen oder über die dort praktizierte Auslegung der Lehre von Marx? Könnte das nicht auch zu einem besseren Verständnis beitragen?

Insgesamt wurde das Fokuskapitel kritisch diskutiert und dessen zentrale These von der Mittler- bzw. Vermittlerrolle Europas zwischen den USA und China mit Skepsis aufgenommen. Die Situation der Menschenrechte in der Volksrepublik China gibt weiterhin Anlass zur Sorge, und der Bestand an Gemeinsamkeiten – so wichtig er auch ist – sollte nicht überschätzt werden.

Das Video von der Veranstaltung findet sich auf den Youtube-Kanälen beider Akademien und zusätzlich in der Mediathek der Ev. Akademie. Bereits nach zwei Tagen wurde das Video 170mal aufgerufen. Das spricht für eine vergleichsweise sehr gute Resonanz.

Johannisnacht und Jubiläumsfeier

75 Jahre Evangelische Akademie in Hessen und Nassau

Evangelische Akademie Frankfurt
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75 Jahre akademiebegeistert! Ein wunderbarer Anlass für eine besondere Feier mit Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunden der Akademie, Wegbegleitern und Mitstreiterinnen.

Am 25. Juni 2021 konnten wir unsere Akademie, die beeindruckende Geschichte und die persönlichen Erlebnisse mit der Akademie in den Mittelpunkt stellen und zeigen, für was die Akademie in ihrer Geschichte stand, wofür sie heute eintritt und was in der Zukunft noch zu erwarten ist.

Die Aufbereitung in Form einer 7,5-teiligen Dokumentation stand damit im Fokus der Feier – gerahmt von toller Musik und charmanten Grußworten. Ein stimmungsvoller Abend, der nicht nur für die Gäste im Großen Saal der Akademie, sondern auch für die Gäste an den Bildschirmen ein beeindruckendes und anrührendes, emotionales und informatives Ereignis war.

Mehr Informationen zu unsererm Jubiläum finden Sie hier: https://www.evangelische-akademie.de/75-jahre-akademiebegeistert/

Vertraut! - Demokratie

Sommerakademie der Jungen Akademie Frankfurt

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Endlich eine Begegnung „in echt“.

Nach mehreren Monaten Projektarbeit im digitalen Raum war es im September endlich soweit: die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Jungen Akademie konnten sich das erste Mal real begegnen.

Weiterhin mit dem Fokus auf das Vertrauen in die Demokratie wurde an diesem verlängerten Wochenende in Arnoldshain viel diskutiert, gearbeitet und natürlich gelacht.

Schon am ersten Abend wurden lange und mitunter sehr ernsthafte aber auch lustige Unterhaltungen am Lagerfeuer geführt. Für viele Teilnehmende war das der Auftakt in ein Wochenende, in dem das Arbeiten, das Nachdenken über die Demokratie und die eigene Position perfekt verbunden wurde mit einem gewissen „Freizeit“-Charakter. Davon, dass die meisten sich in den letzten Monaten ausschließlich über einen Bildschirm gesehen hatten, war schnell nichts mehr zu spüren.

Das Miteinander „in echt“ ermöglichte außerdem produktiv in den Projektgruppen weiter zu arbeiten. Durch längere Arbeitsphasen, zwischen denen es konstruktives Feedback gab, konnten alle Gruppen mit ihren Projektideen weit vorankommen. Zwischendrin konnte dank des schönen Spätsommer-Wetters sogar im Freibad gearbeitet werden. Selbst beim Wandern gab es stetig einen regen Austausch über die Projekte sowie darüber hinaus über eigene Pläne, Ziele und Träume und natürlich die Zukunft unserer Gesellschaft.

Besonders schön war es zu sehen, wie die jungen Menschen, so verschieden wie sie auch waren, alle offen und respektvoll miteinander umgegangen sind. So konnten nicht nur verschiedene Ideen während den Arbeitsphasen, sondern auch später am Abend Meinungen und Erfahrungen ausgetauscht werden.

Im Blick auf den anstehenden Demokratie-Slam, wurden auch schon kreative Vorstellungen der Projekte entworfen. Das Wochenende hat gezeigt, dass nichts über reale Begegnungen geht aber auch wie gut es doch möglich war, über den digitalen Kontakt einfallsreiche Projekte auf die Beine zu stellen, die an diesem Wochenende weiter ausgearbeitet werden konnten.