Hiphop United

Einen Schultag lang tanzen gegen Rassismus

Evangelische Akademie Frankfurt

Laute Bässe dröhnen durch die Aula, Hiphop Musik tönt laut bis draußen auf den Schulhof. Circa 80 Sechstklässler/innen betreten nach und nach die Aula und schauen sich fasziniert um. Es ist Montagmorgen, der 18.Juli 2022 und wir eröffnen für die Schüler/innen der 6. Klassen der IGS West in Frankfurt-Höchst die Projektwoche „Black History“, ein Thema, dass sich die gesamte Schülerschaft der Schule für die Woche vor den Sommerferien als Projektthema gewählt hat. Sieben Tanztrainer/innen der Tanzcrew 1st Cut sind bereits da und starten mit einer improvisierten Tanzeinlage. Die gute Stimmung springt sofort über und die 11-12-Jährigen jubeln laut mit. In den nächsten Stunden durchlaufen die Klassen vier Workshopstationen an unterschiedlichen Orten. Sie erstellen ein Mindmap darüber, was wir für gutes Zusammenleben in unserer Gesellschaft brauchen und tun können. Sie kommen ins Gespräch darüber, was Rassismus ist und wie es unser Zusammenleben stört. Viele von ihnen erzählen von persönlichen alltagsrassistischen Erlebnissen und gemeinsam suchen sie nach Möglichkeiten sich gegenseitig zu unterstützen und zu stärken. In tänzerischen Partnerübungen erleben sie, wie Teamarbeit und zwischenmenschliche Kommunikation auch ohne Worte gelingt. Sie erleben, wie bereichernd es ist, wenn in einer Gruppe alle ihre unterschiedlichen Stärken und Fähigkeiten einbringen und kommen in der Reflexionsrunde selber darauf, dass Ausgrenzung und Rassismus eine Gruppe respektive Gesellschaft um diese Vielfalt bringt. Alle Gruppen üben nacheinander außerdem eine Choreographie ein, die dann im finalen Abschluss von allen gemeinsam in der großen Aula getanzt wird. Wenn die Stimmung am Morgen schon gut war, dann wird sie nun noch ausgelassener. Im sog. Cypher, ein großer Kreis den alle gemeinsam nach der gemeinsam getanzten Choreographie bilden, dürfen nun alle ihre großen und kleinen Kunststücke zeigen. Bei über 35 Grad in der Aula verlangen die Schüler/innen einen Song nach dem anderen, um weiter tanzen zu können und wünschen, dass der Projekttag noch Stunden länger andauert.

Friedensfähig in Kriegszeiten

Friedensgutachtens 2022

Das Friedensgutachten 2022 der vier führenden Institute für Friedens- und Konfliktforschung in der Bundesrepublik analysiert die Konflikte und Kriege der Gegenwart, stellt auch in diesem Jahr wieder die Friedens- und Sicherheitspolitik Deutschlands und Europas auf den Prüfstand und gibt Empfehlungen für eine friedensorientierte Politik. Nach einer allgemeinen Einführung in den Inhalt des Gutachtens durch Claudia Baumgart-Ochse stellte Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, die Leiterin des Leibniz-Instituts Hessische Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), das diesjährige Fokus-Kapitel vor.

Dieses Kapitel widmet sich in 2022 verständlicherweise dem völkerrechtswidrigen Krieg, den Russland im Februar dieses Jahres gegen die Ukraine eröffnet hatte. Die Referentin stellte dabei auch konkrete politische Handlungsempfehlungen zur Diskussion. Ihre Diskussionspartner waren Lorenz Hemicker, Journalist in der politischen Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), sowie Jan Gildemeister, seit 2000 Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Das Gespräch verlief trotz sachlicher Differenzen in sehr fairer und freundlicher Form

Das Friedensgutachten 2022 enthält folgende acht zentrale Botschaften:

  1. Bereits jetzt muss für die Zeit nach dem Krieg geplant werden. Es braucht Strategien, wie Europa aus dem Krieg zurück in eine Friedensordnung findet.
  2. Das Risiko nuklearer Eskalation muss durch Verzicht auf einen nuklearen Ersteinsatz der Nato verringert werden.
  3. Auf Russland muss internationaler Druck ausgeübt werden, damit es zu ernsthafter Verhandlungen kommt.
  4. Sanktionen müssen klar kommuniziert und ihr (Miss-) Erfolg überwacht werden.
  5. Sowohl die Diplomatie als auch regionale Organisationen für Konfliktbearbeitung müssen gestärkt werden.
  6. Eine „feministische Außenpolitik“ erweist sich als notwendiger denn je.
  7. Unsere neu zu entwerfende nationale Sicherheitsstrategie muss über das Ziel einer bloßen Wehrhaftigkeit hinausgehen Eine vorausschauende Sicherheitspolitik ist global auszurichten. Sie muss insbesondere den Folgen des Klimawandels entgegenwirken und dem Globalen Süden faire Entwicklungschancen ermöglichen.
  8. Eine grundrechtsorientierte Kontrolle unserer Sicherheitsinstitutionen ist unbedingt notwendig

Das Video von der Veranstaltung findet sich auf dem YouTube-Kanal der Akademie (https://www.youtube.com/watch?v=WNKWrlfz1m0) und seit dem 8.7.2022 auch im „Offenen Kanal“.

 

Johannisnacht

Sommerempfang trifft junge Wissenschaft

Evangelische Akademie Frankfurt
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Evangelische Akademie Frankfurt
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Traditionell lädt die Evangelische Akademie Frankfurt gemeinsam mit ihrem Förderverein Ende Juni zur Johannisnacht ein. Der Abend soll allen Menschen aus der Akademie-Community die Möglichkeit geben, die wunderschönen Räume in einem festlichen Rahmen zu erleben, mit spannenden Begegnungen und Gesprächen und natürlich mit inhaltlichen Impulsen, die zum Nachdenken und Diskutieren einladen.

2022 wurde der Abend inhaltlich gestaltet unter Mitwirkung vier junger Menschen, die aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Kontexten überraschende Formen fanden, ihre Themen zu Gesprächsthemen zu machen. Luca Neuperti, der auf sehr humorvolle und gleichzeitig intelligente Weise über das Thema NFTs und ihre Wirkung auf die Gesellschaft sprach. Antonia Klumbies, junge Theologin mit poetischer Ader, die das Publikum mit hinein nahm in den Streit zwischen Erasmus und Luther und den Bogen spann, was dieser Streit mit Europa zu tun hat. Sanna Hübsch, eine junge Expertin in Sachen Extremismusprävention, die in Form zweier Poetry-Slams Gedanken über Vielfalt in der Gesellschaft einbrachte und schließlich Jan Hegenberg, der aus einer gelungene Mischung von Zahlen, Daten und Fakten, gemischt mit feinem Humor aufzeigte, dass die Energiewende vielleicht gar nicht so kompliziert ist.

Mit all diesen ganz unterschiedlichen Eindrücken und Erlebnissen wurde dann der Abend von den über 150 Gästen genutzt, um das zu tun, was so lange nicht ging: Begegnung und Präsenz genießen. Zahlreiche Gespräche, vertiefende Einblicke in die Themen des Abends, guter Wein, leckeres Essen – ein schöner Rahmen für einen Sommerempfang. Flankiert wurde das Programm nicht nur von der sensationellen Jazzband „Jazz Sisters Quartet“, sondern auch von der Möglichkeit, mit dem mobilen Akademiemuseum in die Akademiegeschichte einzutauchen oder sich von den Projekten der Jungen Akademie 2017-2021 inspirieren und begeistern zu lassen.

Die Johannisnacht war ein bunter, vielfältiger und stimmungsvoller Abend, den die Gäste, die Mitwirkenden und das Akademieteam sehr genossen haben und schon jetzt die Vorfreude auf das nächste Jahr wachsen lässt.

Religion, Gewalt und Opfer – ein gordischer Knoten?“

Tillich-Lecture 2022

Die Tillich-Lecture 2022 fand auf ausdrücklichen Wunsch der Referent/innen „nur“ als Analogveranstaltung statt. (Die Studienleitung hätte eine Hybridveranstaltung begrüßt, um mehr Personen erreichen zu können. Die Tillich-Lecture des Jahres 2021, die via Youtube gestreamt wurde, konnte immerhin 372 Aufrufe verzeichnen.) Zu Beginn der sog. „Sommerwelle“ der Covid-19-Pandemie fanden sich ca. 25 Teilnehmende in der Akademie ein. Nach einer Begrüßung und inhaltlichen Einleitung durch den Studienleiter moderierte Professor Dr. Heiko Schulz, Systematischer Theologe an der Goethe-Universität Frankfurt, die Veranstaltung in bewährter Weise. Die beiden Referent/innen des Abends waren Prof. Dr. Thomas Schmidt, Philosoph an der Goethe-Universität (ein Schüler von Jürgen Habermas) und Frau Prof. Dr. Gesche Linde, Systematische Theologin aus Tübingen (Nachfolgerin am Lehrstuhl des 2021 unerwartet und viel zu früh verstorbenen Prof. Dr. Christoph Schwöbel).

 

Die Themenexposition rankte sich um folgende Überlegungen: Naturkatastrophen und Autounfälle, Pandemien und Terroranschläge fordern Opfer. Und Kriege fordern Opfer – in der Gegenwart auf erschreckende Weise der Krieg in der Ukraine. Auch haben zu allen Zeiten Menschen aus religiösen Gründen Opfer gebracht: Zeit und Mühe, die Früchte des Feldes, geweihte Tiere und sogar Menschenopfer. Religion, Opfer und Gewalt sind in der Geschichte so eng miteinander verbunden, dass sie fast untrennbar scheinen: ein gordischer Knoten. Müssen Götter, musste auch der Gott, an den Christenmenschen glauben, Blut vergießen lassen, um besänftigt und versöhnt zu werden? Welche Rolle spielt hierbei der Kreuzestod Jesu?

 

Eine elementare philosophische Reflexion des Themas setzt ein bei der Unterscheidung von „victim“ und „sacrifice“. Es ist ethisch gesehen sicherlich richtig, in allem menschlichen Handeln einen „tutioristischen“ Grundzug durchzuhalten, der die Anzahl der „victims“ (also unschuldigen Opfern, etwa von Pandemien oder Kriegen) so gering wie möglich halten möchte. Wo ein Opfer im Sinne eines „sacrifice“ gebracht wird, ist es sehr wohl möglich, dies ethisch zu reflektieren und zu bewerten. Mit einer einfachen Kosten-Nutzen-Rechnung wird dies aber kaum gelingen. Insgesamt spricht aus philosophischer Perspektive viel dafür, den Opferbegriff als solchen differenziert zu betrachten und sich seiner Problematik im Zusammenhang mit dem Phänomen der Gewalt zu stellen, aber einen ethisch sinnvollen und verantwortbaren Gebrauch des Begriffs für möglich zu halten.

 

Die theologische Behandlung des Themas geht vom Befremdungspotenzial des – wie gezeigt – mehrdeutigen Opferbegriffes aus und sucht über den biblischen Befund nach Spuren eines sinnvollen Begriffsgebrauchs. Die Frage, wie sich der „gordische Knoten“ von Religion, Gewalt und Opfer auflösen lässt, erhält eine besondere Zuspitzung durch die Vorstellung vom Sühnopfer Jesu am Kreuz. Das einmalige und unüberbietbare Opfer Jesu macht immerhin – das lässt sich als religionsgeschichtlicher Fortschritt deuten – das Darbringen weiterer Opfergaben in der Zukunft überflüssig. (An diesem Punkt stellt die protestantische Theologie an die römisch-katholische Vorstellung vom „Messopfer“ in der Eucharistie die Frage, ob hier nicht die Einmaligkeit des Opfers Jesu negiert wird. Es öffnet sich somit ggf. ein kontrovers-theologisches Feld.) Von Paul Tillichs Theologie her ist der Gedanke eines Selbstopfers aus Liebe durchaus plausibel zu machen, auch wenn Tillich sich an diesem Punkt einer dialektischen Denkfigur bedient.

 

Man wird – so das Fazit am Ende des Abends – den Opferbegriff nicht vorschnell verabschieden dürfen, aber man wird ihn in differenzierter und sensibler Weise betrachten müssen. Ein großer Dank für die Unterstützung der Tillich-Lecture 2022 gebührt wie in den Vorjahren jedenfalls dem Förderverein der Evangelischen Akademie Frankfurt

#Change

Werkstatt für Veränderung

Evangelische Akademie Frankfurt
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Wie entsteht Veränderung – persönlich und gesellschaftlich? Eigentlich wissen wir seit Jahren, dass wir etwas gegen die Klimakrise tun müssen und doch passiert zu wenig. Drei Erdkugeln bräuchte es, wenn alle Menschen wie wir in Deutschland lebten. Obwohl fast alle Länder sich dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens verpflichtet haben, ist die Welt derzeit auf dem Weg zu einer Erwärmung von 3,2 Grad bis 2100. Dabei sind die Folgen der Erderwärmung schon jetzt dramatisch. Warum führt Wissen nicht automatisch zum Handeln? Was können wir mit Blick auf große Veränderungsprozesse der Vergangenheit lernen und was soll man sich eigentlich unter dem Begriff „sozialökologische Transformation“ vorstellen?

Wir haben uns ganz schön viel vorgenommen an diesem ersten Wochenende im Hildegardishof, Westerwald. Aber sonst hätten wir ja auch nicht so viel gelernt! 15 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 25 Jahren und vier Trainer- und Teamer*innen in einem Tagungshaus auf blühender Streuobstwiese. Drei Tage Sonnenschein, Austausch, Impulse und Zusammensein. Besser kann man sich den „Neuanfang“ nach zwei Jahren Coronaeinschränkungen kaum vorstellen. Ziel des kommenden Treffens im Mai ist die künstlerische Umsetzung der gesammelten Ideen, Botschaften und Anliegen der Gruppe zum Thema Klimakrise und Transformation. Diese Werke bilden ab Oktober 2022 das Vorwort zu der Ausstellung Klima_X, die fast ein Jahr lang im Museum für Kommunikation in Frankfurt zu sehen sein wird.

Das Projekt bietet den Teilnehmenden mehr als theoretische Erkenntnisse. Sie haben einen reellen Kommunikationsraum zu gestalten, können ihre Meinung ausdrücken und selbst Einfluss nehmen. Doch wie spricht man über Klimakrise und Veränderungsnotwendigkeit, ohne Widerstände, Überforderung oder Resignation auszulösen? Was für „Veränderung“ braucht es eigentlich und wie kommen wir dahin? Hier boten zwei digital zugeschalteten Expert/innen praktische Einsichten.

Dr. Hartmut Rosa, Professor für allgemeine und theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller Universität Jena, definierte „sozialökologische Transformation“ als eine Systemänderung, durch welche sich alles nicht mehr steigern muss, um das Bestehende zu erhalten. Alle politischen Parteien wollen Wachstum, merkte er an, sagen aber nie was genau wohin wachsen soll. Bei den meisten Sektoren gibt es planetare Grenzen zu beachten. Eine andere Logik muss her, meinte er, und zwar nicht nur beim Wirtschaftssystem, sondern auch bei der Haltung der Bevölkerung. Was gibt uns eigentlich Sinn im Leben? Ist es wirklich alles zugänglich zu haben und konsumieren zu können? Oder ist es vielmehr die Resonanz? Also die Erfahrung, in Kontakt zu sein und die Fähigkeit, von etwas berührt zu werden. Möglicherweise wäre es mit ganz viel Kreativität, Gemeinschaft und Sinngefühl verbunden, wenn wir – als Stadt, Viertel oder Haushalt – mit einer Deckelung unserer Emissionen umgehen müssten, statt immer nur nach mehr zu streben. Aktuell ist gesellschaftliche Zugehörigkeit meist über Erwerbsarbeit definiert, fügte er hinzu. Doch wenn die Angst, nicht dazuzugehören, eine der stärksten Antriebsfaktoren für das ständige Wachsen ist, kann nicht Erwerbsarbeit auch anders organisiert werden? Wie wäre es mit einem bedingungslosen Grundeinkommen, um uns erstmal die Angst zu nehmen, ohne Lohnarbeit nicht dazuzugehören? Das Gespräch mit Dr. Hartmut Rosa lässt sich hier ansehen.

Impulse aus der Umweltpsychologie bekamen wir von Dr. Laura Loy, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Umweltpsychologie an der Universität Koblenz-Landau. Das Problembewusstsein der deutschen Bevölkerung ist hoch, meinte sie, aber unser Handeln ist durch viele Einflussfaktoren bestimmt. Nicht nur Wissen um ein Problem spielt eine Rolle, sondern auch unsere Werte und Moralvorstellungen, unser Identität und Gewohnheiten, persönliche Einschränkungen, wen wir als Verantwortlich sehen und nicht zuletzt, was wir fühlen. So geht beispielsweise „globale Identität“ (also, dass man sich als Teil der Menschheit sieht) oft mit mehr umweltschützenden Verhaltensweisen einher. Sowohl positive Gefühle, wie Hoffnung oder Bewegt-sein, als auch negative, wie Wut oder Scham, können aktivierend wirken. Ohne Gelegenheit und Fähigkeit wird sich aber keine Veränderung einstellen, sondern eher Frustration. So lauten Frau Loys konkrete Tipps: findet eine Gruppe, deren Werte ihr teilt, ladet andere ein, schließt euch zusammen, tut Gutes und redet drüber. Und vergesst nicht, die Belohnungen und positiven Gefühle zu betonen, die mit nachhaltigem Verhalten einhergehen!

Das Programm bot eine Waldwanderung, die direkt als Chance genutzt wurde, mit der Natur in Resonanz zu treten. Die Gelingensgeschichten der Menschheit wurden aufgearbeitet und ein Spiel zum Thema Weltverteilung gehörte auch dazu. Ein Kletterseil half uns, darüber nachzudenken, wer den Wandel macht, und in der kreativen Ideenwerkstatt entstanden Plakate, die jetzt schon am Museumsufer in Frankfurt zu sehen sind. Schließlich ging es mit Christina Schnepel von unserer hessischen Schwesterakademie in Hofgeismar auch um „#Hope“ als Bestandteil einer „#Change“. Das war ein richtig tolles Auftaktwochenende. Und wie schön, wenn man ein schweres Thema angeht – bei dem es um die Zukunftsperspektive der Teilnehmenden geht und man Angst hat, Resignation auszulösen – und die Teilnehmenden danach sagen, dass sie „begeistert“, „inspiriert“ und „hoffnungsvoll“ sind. Da geht das Herz auf und der Himmel hängt voller Geigen. Wir freuen uns schon auf das Wiedersehen im Mai!

Brand new? Demokratie

Autakt der Jungen Akademie 2022

Am 21.04.2022 pünktlich um 19:00 Uhr starteten wir mit 16 von 19 Stipendiat/innen in das neue „Junge Akademie-Jahr“. Wir verbrachten dreieinhalb intensive Tage im Martin-Niemöller-Haus, das wir für die Hälfte unserer Zeit ganz alleine bewohnen durften. So konnten wir Ruhe und Raum nutzen für das Jahresthema der JA, für die Entwicklung von Gruppendynamik und auch das Wohlergehen jedes Einzelnen.

Der erste Abend stand ganz im Zeichen des Kennenlernens: Wer ist im neuen Jahrgang mit welcher Motivation und welchen Erfahrungen dabei? Anhand eines mitgebrachten symbolischen Gegenstandes demonstrierten die jungen Menschen ihre persönliche Beziehung zum Jahresthema. Schnell entstand eine Atmosphäre des neugierigen und wertschätzenden Miteinanders. Gemeinsam wurde das Programm der kommenden Tage besprochen, bevor der Abend einen gemütlichen Ausklang fand.

Der kommende Tag startete mit einem spannenden Impuls von Prof. Dr. Regina Kreide, Lehrstuhlinhaberin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Gießen und in unterschiedlichen Beiräten und Arbeitskreisen zum Thema Demokratie engagiert. In Anlehnung an ihren Beitrag „Und links keine Leerstelle“ aus dem aktuellen Sammelband: Denkfabrik (Hs.) 2021, Verbündet Euch! skizzierte sie ihre Argumente und Überlegungen bezogen auf „Brand New? Demokratie“. So beobachtet sie den „Verlust eines Sinns im Zukünftigen“. Während rechtsorientierte Strömungen über ihre radikale, nationalorientiere und diskriminierende Propaganda ein „griffiges Identitätsangebot mit Kollektivperspektive“ entwickeln, fehle es dem linken Spektrum an einem Narrativ, wie ein emanzipatives, solidarisches und demokratisches Miteinander in der Zukunft aussehen und gestaltet werden könne. Besonders betonte Frau Kreide dabei die Notwendigkeit des Einbezugs der „ökologischen Katastrophe“. In einer Demokratie der Zukunft müsse die Frage erlaubt sein, wie mit den Ressourcen der Erde und den menschgeschaffenen Gütern fair und gerecht umgegangen wird.

Im darauffolgenden fishbowl diskutierten die Stipendiat/innen lebhaft und kontrovers mit Frau Kreide. Der Vormittag war für die Teilnehmer/innen inhaltlich und methodisch gehaltvoll. Frau Kreide schrieb im Anschluss ein wertschätzendes Feedback an die Gruppe und bot sich darüber hinaus an, einen weiteren Beitrag zum Symposium im Herbst zu leisten.

Am Nachmittag versammelten wir uns bei sonnigem Wetter auf der Wiese vor dem Martin-Niemöller Haus. Gegen zugegebenermaßen einigen Widerstand konnte sich die Gruppe auf gruppendynamische Übungen einlassen. Der Spaß am Spiel ließ gefühlt ein paar Knoten lösen und Berührungsängste schmelzen. Die Teilnehmer/innen skizzierten anschließend Bilder von der Gruppe. Die Auseinandersetzung mit Fragen wie: „Welchen Blick haben wir auf uns als Gruppe?“ und „Wie wünschen wir uns das Miteinander in den kommenden Monaten?“ brachte die Menschen auf emotionaler Ebene zusammen und stärkte das „Wir-Gefühl“.

Den späten Nachmittag und Abend nutzten die Teilnehmer/innen um die diversen inhaltlichen Ideen und Impulse an der bis dahin entstandenen großen Metaplanwand zu sortieren und zu clustern. Erste Projektskizzen und Projektgruppen entstanden.

Bei Stockbrot und Musik am Lagerfeuer fand der Abend einen gemütlichen und persönlichen Ausklang. Es war schön zu beobachten, wie aus einer Gruppe Fremder allmähliche ein Team entstand.

Die Andacht des zweiten Tages war erneut gut besucht. Stipendiat und Vikar Raphael Zager hatte am Morgen eingeladen und die Teilnehmer/innen erschienen vollständig.

Das Ziel des zweiten Tages: Wir möchten die Themen und Gruppen für die kommende Projektphase finden. Als Impuls diente der TED-Talk „Golden Circle“ von Simon Sinek. Anhand der Frage: „Wofür brenne ich?“ befassten sich die Teilnehmer/innen mit den eigenen Motiven und Herzensthemen. Durch diesen individuellen und stillen Rekurs wurde die Arbeit des Vortages noch mal kritisch reflektiert.

Das „Why?“ stand im Fokus: Wofür machen wir welche Projekte? Die Teilnehmer/innen arbeiteten abwechselnd für sich, in Kleingruppen und in der Großgruppe. Nachmittags stieß Hanna-Lena Neuser zur Gruppe dazu. Sie offerierte hilfreiche Innenansichten aus den letzten Junge Akademie-Jahrgängen und ermutigte die Gruppe, sich auch in Phasen des „motivationalen Tiefgangs“ nicht entmutigen zu lassen, sondern an die eigenen Ideen zu glauben.

Projekte und Gruppen wurden im Laufe des Tages noch mal „anders & neu“ zusammengedacht. Schließlich einigten wir uns auf vier Projektgruppen, die den Nachmittag und frühen Abend dazu nutzten, ihr Thema zu verfeinern und eine Projekt-Präsentation für den Abend vorzubereiten.

Jedes Team durfte 5 Minuten darstellen, wozu es einen Beitrag leisten und in welchem Projektformat es Ideen umsetzen möchte. Die Gruppe wiederum gab unterstützendes, kritisches und realistisches Feedback in Form der sog. Walt-Disney-Methode. Die Präsentationen wurden aufgezeichnet und den abwesenden Teilnehmer/innen zur Verfügung gestellt, um eine persönliche Zuordnung treffen zu können.

Nach einem intensiven Arbeitstag wurde der Abend erneut genutzt, um persönlichen Austausch zu vertiefen und auch mal über Themen zu sprechen, die nichts mit Akademie oder Projekten zu schaffen haben.

Auch zur Andacht des dritten Tages von Hanna-Lena Neuser kamen nahezu alle Teilnehmer/innen in der Kapelle zusammen.

Am Vormittag wurden die vier Projekte noch mal „angesehen“ und um weitere Ideen oder Impulse aus der Großgruppe ergänzt. Danach gab es ausreichend Zeit für wertschätzendes Feedback. Dazu hingen im Raum verteilt namentlich beschriftete Flipchartpapiere an den Wänden und mit viel Ruhe und begleitet durch stimmungsvolle Musik nahmen sich die Stipendiat/innen Zeit, jeder Person eine persönliche Rückmeldung zu schreiben oder zu malen. Die individuellen „Geschenkpapiere“ konnten die Stipendiat/innen mitnehmen.

Eine ausführliche Feedbackrunde zum Verlauf des Wochenendes und mit Wünschen für die kommende Zeit fand anschließend in Gesprächsform statt.

Nach dem Mittagessen wurde in aller Ruhe abgereist.

Die Gruppe fand an dem Wochenende erstaunlich schnell zusammen. Die entschuldigten Teilnehmer/innen wurden von der Gruppe stets mitgedacht und berücksichtigt. Die vier vorläufigen Projektteams sind motiviert und werden ihre Ideen im anstehenden Projektmanagement-Workshop Mitte Mai weiter ausarbeiten. Danach kann über die konkreten Projektskizzen berichtet werden.

Die Gruppe zeigte viel Verantwortung für den weiteren Prozessverlauf. Für die Moderation aller drei Denkräume fanden sich bereits Teams. Ebenso für das „Takeover“ des Instagram Kanals der Akademie und die Weiterentwicklung des Mentoring-Programms.

So darf es gerne weitergehen.

 

 



Evangelische Akademie Frankfurt
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3. Fachtagung zur außerklinischen Ethikberatung

Derzeitiger Stand und aktuelle Herausforderungen

 

Ethik-Komitees und ethische Fallbesprechungen haben sich in den letzten Jahrzehnten in vielen Krankenhäusern etabliert. Im Jahr 2008 wurde auf dem Deutschen Ärztetag beschlossen, die vielerorts als hilfreiche erfahrene Struktur der ethischen Fallbesprechung auch im ambulanten Bereich zu etablieren. Hausärztinnen und Hausärzte sollten diese Art der Unterstützung ebenso nutzen können, wie Patientinnen und Patienten, deren Angehörige und die Mitarbeitenden in den ambulanten Pflegediensten. Inzwischen haben sich deutschlandweit 44 Projekte etabliert, deren Kontaktadressen auf der Webseite der Akademie für Ethik in der Medizin e.V. zu finden sind: https://www.aem-online.de/index.php?id=157

Der Aufbau und die Entwicklung der Ambulanten Ethikberatung wurde von der Evangelischen Akademie Frankfurt seit Beginn mit der nunmehr dritten Tagung begleitet. Coronabedingt fand diese in diesem Jahr rein online mit 110 angemeldeten Teilnehmer:innen statt. Eine vorab durchgeführte Online-Befragung ergab, dass für die Hälfte der ambulanten Ethikberater:innen, die sich an Befragung beteiligt hatten, die Corona-Pandemie eine Erschwernis ihrer bisherigen Beratungsarbeit dargestellt hat.

Inhaltlich wurde bei der Tagung ein besonderer Schwerpunkt durch die Herausforderung gebildet, vor der sich die ambulante Ethikberatung durch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 26.02.2020 gestellt sieht: Nachdem das Bundesverfassungsgericht den § 217 StGB zur Suizidhilfe für nichtig erklärt hatte, wird erwartet, dass der Gesetzgeber eine gesetzliche Neuregelung verabschieden wird. Hausärzt:innen, Pflegeeinrichtungen, Hospize und ambulante Palliativteam könnten sich dann verstärkt mit der Anfrage konfrontiert sehen, eine ethische Fallbesprechung dann durchzuführen, wenn bspw. vom Hausarzt eine Suizidhilfe eingefordert wird und Unsicherheiten sowie ethische und rechtliche Vorbehalte bei den Beteiligten über das weitere Vorgehen bestehen. Sollte die ambulante Ethikberatung hier als Beratungsinstanz herangezogen werden können, dann erscheint es wichtig im Vorfeld zu klären, wie weit die Ethikberatung in ihrer Funktion und Begleitung gehen will, kann soll und darf. Sollte es „nur“ um die Information des rechtlichen status quo gehen oder würde z.B. auch die Weitergabe von Kontaktadressen (etwa eines Sterbehilfevereins) zur Beratungsarbeit gehören? Durch Fallgeschichten, rechtliche Kommentare, Erfahrungen aus dem Ausland und Diskussionen in Breakout-Gruppen wurde ein intensiver Austauschs über ein komplexes und kontroverses Thema geschaffen, das grundsätzliche Fragen der Haltung und (beruflichen) Werte aufwirft.

Die Tagung fand in Zusammenarbeit mit der Akademie für Ethik in der Medizin e.V. und dem Zentrum für Ethik in der Medizin am Agaplesion Markus Krankenhaus, Frankfurt/M. statt.

I Never Told You

 Lichtinstallation

Evangelische Akademie Frankfurt
Evangelische Akademie Frankfurt
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Die Idee, dass die Akademie sich mit ihrem Haus am zentralen Standort am Römerberg an einer LUMINALE beteiligt, liegt eigentlich auf der Hand. Und dennoch: für die LUMINALE 2022 gab es erstmalig ein konkretes Konzept. Und dann wurde die LUMINALE offiziell abgesagt – pandemiebedingt. Doch zu diesem Zeitpunkt waren schon mehr als zwei Jahre Mühe, Planung und Ideen in das Projekt eingeflossen, so dass sich alle Beteiligten dazu entschieden, die Installation trotzdem wie geplant umzusetzen.

Entwickelt wurden das Konzept im Rahmen eines Seminars der hochschule darmstadt im FB Architektur/Innenarchitektur. Begleitet wurde das Seminar von Hochschulprofessor/innen sowie Lehrbeauftragte einerseits, von Vertreter/innen der beteiligten Institutionen andererseits: Atelier Markgraph, EKHN-Stiftung, Dr. Arthur Pfungst-Stiftung sowie der Evangelischen Akademie. In gemeinsamen Veranstaltungen und Workshops konnten sich die Studierenden aus unterschiedlichen Disziplinen heraus mit dem Begriff der Transparenz befassen und daraus eigene Ideen für eine Installation in der Akademie entwickeln. In einer Jury-Sitzung wurde schlussendlich aus fünf Entwürfen einer ausgewählt und bis zur Umsetzung weiter begleitet und betreut. Eine Gruppe von Studierenden war hierbei maßgeblich beteiligt.

Die Idee der Installation orientierte sich an dem Begriff des Geheimnisses als ein gegenteiliger Begriff zur Transparenz. Das Verhältnis dieser beiden Begriffe zueinander birgt ebenso Ambivalenzen wie der Umgang mit oder der Blick auf Geheimnisse selbst. Diese unterschiedlichen Gefühle und Gedanken griff die Installation auf und machte sie bei einem Gang durch das Haus erlebbar.

Am 11.3.2022 wurde die Lichtinstallation „I NEVER TOLD YOU“ eröffnet. Der Förderverein der Evangelischen Akademie Frankfurt als Förderer des Projekts wurde dazu exklusiv eingeladen.

Ins Mark getroffen

Was meine Krebserkrankung für mich als Intensivmediziner bedeutet

Prof. Dr. Thomas Bein leitet eine Intensivstation am Universitätsklinikum Regensburg, als bei ihm Knochenmarkkrebs diagnostiziert wird. Fortan vertauschen sich die Rollen und der Spitzenmediziner wird selbst Patient im Getriebe der Hightech-Medizin. Er erlebt, wie es sich anfühlt, eine Krebsdiagnose zu bekommen, was es bedeutet, eine Chemotherapie auszuhalten, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren und mit der Krankheit leben lernen zu müssen.

In einem eindrücklichen Buch hat Prof. Bein seine Erfahrungen festgehalten und darüber im Rahmen einer Online-Veranstaltung berichtet. Unverkennbar schwingt dabei immer wieder die Erfahrung des langjährigen Intensivmediziners mit, der sich schon vor seiner Erkrankung oft gefragt hat, wie das, was er tut, auf seine Patientinnen und Patienten wirkt. Diese Reflexionen werden dadurch noch verstärkt, dass Prof. Bein berufsbegleitend einen Studiengang Medizinethik absolviert hat.

Aufgrund der eigenen Erfahrungen als Patient, seinem beruflichen Wissen als Arzt und der Reflexion aus Sicht der Medizinethik beschreibt er, was ihm geholfen hat und was sich im Gesundheitswesen dringend ändern muss. In der anschließenden Aussprache werden diese Gedanken fortgeführt mit Frau Prof. Dr. Elke Jäger, Chefärztin der Klinik für Onkologie und Hämatologie am Krankenhaus Nordwest und mit Herrn Oberarzt Dr. Rolf Kleinschmidt von der Medizinischen Klinik I am Agaplesion Markus Krankenhaus in Frankfurt/M.