Brand new? Demokratie

Autakt der Jungen Akademie 2022

Am 21.04.2022 pünktlich um 19:00 Uhr starteten wir mit 16 von 19 Stipendiat/innen in das neue „Junge Akademie-Jahr“. Wir verbrachten dreieinhalb intensive Tage im Martin-Niemöller-Haus, das wir für die Hälfte unserer Zeit ganz alleine bewohnen durften. So konnten wir Ruhe und Raum nutzen für das Jahresthema der JA, für die Entwicklung von Gruppendynamik und auch das Wohlergehen jedes Einzelnen.

Der erste Abend stand ganz im Zeichen des Kennenlernens: Wer ist im neuen Jahrgang mit welcher Motivation und welchen Erfahrungen dabei? Anhand eines mitgebrachten symbolischen Gegenstandes demonstrierten die jungen Menschen ihre persönliche Beziehung zum Jahresthema. Schnell entstand eine Atmosphäre des neugierigen und wertschätzenden Miteinanders. Gemeinsam wurde das Programm der kommenden Tage besprochen, bevor der Abend einen gemütlichen Ausklang fand.

Der kommende Tag startete mit einem spannenden Impuls von Prof. Dr. Regina Kreide, Lehrstuhlinhaberin für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Gießen und in unterschiedlichen Beiräten und Arbeitskreisen zum Thema Demokratie engagiert. In Anlehnung an ihren Beitrag „Und links keine Leerstelle“ aus dem aktuellen Sammelband: Denkfabrik (Hs.) 2021, Verbündet Euch! skizzierte sie ihre Argumente und Überlegungen bezogen auf „Brand New? Demokratie“. So beobachtet sie den „Verlust eines Sinns im Zukünftigen“. Während rechtsorientierte Strömungen über ihre radikale, nationalorientiere und diskriminierende Propaganda ein „griffiges Identitätsangebot mit Kollektivperspektive“ entwickeln, fehle es dem linken Spektrum an einem Narrativ, wie ein emanzipatives, solidarisches und demokratisches Miteinander in der Zukunft aussehen und gestaltet werden könne. Besonders betonte Frau Kreide dabei die Notwendigkeit des Einbezugs der „ökologischen Katastrophe“. In einer Demokratie der Zukunft müsse die Frage erlaubt sein, wie mit den Ressourcen der Erde und den menschgeschaffenen Gütern fair und gerecht umgegangen wird.

Im darauffolgenden fishbowl diskutierten die Stipendiat/innen lebhaft und kontrovers mit Frau Kreide. Der Vormittag war für die Teilnehmer/innen inhaltlich und methodisch gehaltvoll. Frau Kreide schrieb im Anschluss ein wertschätzendes Feedback an die Gruppe und bot sich darüber hinaus an, einen weiteren Beitrag zum Symposium im Herbst zu leisten.

Am Nachmittag versammelten wir uns bei sonnigem Wetter auf der Wiese vor dem Martin-Niemöller Haus. Gegen zugegebenermaßen einigen Widerstand konnte sich die Gruppe auf gruppendynamische Übungen einlassen. Der Spaß am Spiel ließ gefühlt ein paar Knoten lösen und Berührungsängste schmelzen. Die Teilnehmer/innen skizzierten anschließend Bilder von der Gruppe. Die Auseinandersetzung mit Fragen wie: „Welchen Blick haben wir auf uns als Gruppe?“ und „Wie wünschen wir uns das Miteinander in den kommenden Monaten?“ brachte die Menschen auf emotionaler Ebene zusammen und stärkte das „Wir-Gefühl“.

Den späten Nachmittag und Abend nutzten die Teilnehmer/innen um die diversen inhaltlichen Ideen und Impulse an der bis dahin entstandenen großen Metaplanwand zu sortieren und zu clustern. Erste Projektskizzen und Projektgruppen entstanden.

Bei Stockbrot und Musik am Lagerfeuer fand der Abend einen gemütlichen und persönlichen Ausklang. Es war schön zu beobachten, wie aus einer Gruppe Fremder allmähliche ein Team entstand.

Die Andacht des zweiten Tages war erneut gut besucht. Stipendiat und Vikar Raphael Zager hatte am Morgen eingeladen und die Teilnehmer/innen erschienen vollständig.

Das Ziel des zweiten Tages: Wir möchten die Themen und Gruppen für die kommende Projektphase finden. Als Impuls diente der TED-Talk „Golden Circle“ von Simon Sinek. Anhand der Frage: „Wofür brenne ich?“ befassten sich die Teilnehmer/innen mit den eigenen Motiven und Herzensthemen. Durch diesen individuellen und stillen Rekurs wurde die Arbeit des Vortages noch mal kritisch reflektiert.

Das „Why?“ stand im Fokus: Wofür machen wir welche Projekte? Die Teilnehmer/innen arbeiteten abwechselnd für sich, in Kleingruppen und in der Großgruppe. Nachmittags stieß Hanna-Lena Neuser zur Gruppe dazu. Sie offerierte hilfreiche Innenansichten aus den letzten Junge Akademie-Jahrgängen und ermutigte die Gruppe, sich auch in Phasen des „motivationalen Tiefgangs“ nicht entmutigen zu lassen, sondern an die eigenen Ideen zu glauben.

Projekte und Gruppen wurden im Laufe des Tages noch mal „anders & neu“ zusammengedacht. Schließlich einigten wir uns auf vier Projektgruppen, die den Nachmittag und frühen Abend dazu nutzten, ihr Thema zu verfeinern und eine Projekt-Präsentation für den Abend vorzubereiten.

Jedes Team durfte 5 Minuten darstellen, wozu es einen Beitrag leisten und in welchem Projektformat es Ideen umsetzen möchte. Die Gruppe wiederum gab unterstützendes, kritisches und realistisches Feedback in Form der sog. Walt-Disney-Methode. Die Präsentationen wurden aufgezeichnet und den abwesenden Teilnehmer/innen zur Verfügung gestellt, um eine persönliche Zuordnung treffen zu können.

Nach einem intensiven Arbeitstag wurde der Abend erneut genutzt, um persönlichen Austausch zu vertiefen und auch mal über Themen zu sprechen, die nichts mit Akademie oder Projekten zu schaffen haben.

Auch zur Andacht des dritten Tages von Hanna-Lena Neuser kamen nahezu alle Teilnehmer/innen in der Kapelle zusammen.

Am Vormittag wurden die vier Projekte noch mal „angesehen“ und um weitere Ideen oder Impulse aus der Großgruppe ergänzt. Danach gab es ausreichend Zeit für wertschätzendes Feedback. Dazu hingen im Raum verteilt namentlich beschriftete Flipchartpapiere an den Wänden und mit viel Ruhe und begleitet durch stimmungsvolle Musik nahmen sich die Stipendiat/innen Zeit, jeder Person eine persönliche Rückmeldung zu schreiben oder zu malen. Die individuellen „Geschenkpapiere“ konnten die Stipendiat/innen mitnehmen.

Eine ausführliche Feedbackrunde zum Verlauf des Wochenendes und mit Wünschen für die kommende Zeit fand anschließend in Gesprächsform statt.

Nach dem Mittagessen wurde in aller Ruhe abgereist.

Die Gruppe fand an dem Wochenende erstaunlich schnell zusammen. Die entschuldigten Teilnehmer/innen wurden von der Gruppe stets mitgedacht und berücksichtigt. Die vier vorläufigen Projektteams sind motiviert und werden ihre Ideen im anstehenden Projektmanagement-Workshop Mitte Mai weiter ausarbeiten. Danach kann über die konkreten Projektskizzen berichtet werden.

Die Gruppe zeigte viel Verantwortung für den weiteren Prozessverlauf. Für die Moderation aller drei Denkräume fanden sich bereits Teams. Ebenso für das „Takeover“ des Instagram Kanals der Akademie und die Weiterentwicklung des Mentoring-Programms.

So darf es gerne weitergehen.

 

 



Evangelische Akademie Frankfurt
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3. Fachtagung zur außerklinischen Ethikberatung

Derzeitiger Stand und aktuelle Herausforderungen

 

Ethik-Komitees und ethische Fallbesprechungen haben sich in den letzten Jahrzehnten in vielen Krankenhäusern etabliert. Im Jahr 2008 wurde auf dem Deutschen Ärztetag beschlossen, die vielerorts als hilfreiche erfahrene Struktur der ethischen Fallbesprechung auch im ambulanten Bereich zu etablieren. Hausärztinnen und Hausärzte sollten diese Art der Unterstützung ebenso nutzen können, wie Patientinnen und Patienten, deren Angehörige und die Mitarbeitenden in den ambulanten Pflegediensten. Inzwischen haben sich deutschlandweit 44 Projekte etabliert, deren Kontaktadressen auf der Webseite der Akademie für Ethik in der Medizin e.V. zu finden sind: https://www.aem-online.de/index.php?id=157

Der Aufbau und die Entwicklung der Ambulanten Ethikberatung wurde von der Evangelischen Akademie Frankfurt seit Beginn mit der nunmehr dritten Tagung begleitet. Coronabedingt fand diese in diesem Jahr rein online mit 110 angemeldeten Teilnehmer:innen statt. Eine vorab durchgeführte Online-Befragung ergab, dass für die Hälfte der ambulanten Ethikberater:innen, die sich an Befragung beteiligt hatten, die Corona-Pandemie eine Erschwernis ihrer bisherigen Beratungsarbeit dargestellt hat.

Inhaltlich wurde bei der Tagung ein besonderer Schwerpunkt durch die Herausforderung gebildet, vor der sich die ambulante Ethikberatung durch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 26.02.2020 gestellt sieht: Nachdem das Bundesverfassungsgericht den § 217 StGB zur Suizidhilfe für nichtig erklärt hatte, wird erwartet, dass der Gesetzgeber eine gesetzliche Neuregelung verabschieden wird. Hausärzt:innen, Pflegeeinrichtungen, Hospize und ambulante Palliativteam könnten sich dann verstärkt mit der Anfrage konfrontiert sehen, eine ethische Fallbesprechung dann durchzuführen, wenn bspw. vom Hausarzt eine Suizidhilfe eingefordert wird und Unsicherheiten sowie ethische und rechtliche Vorbehalte bei den Beteiligten über das weitere Vorgehen bestehen. Sollte die ambulante Ethikberatung hier als Beratungsinstanz herangezogen werden können, dann erscheint es wichtig im Vorfeld zu klären, wie weit die Ethikberatung in ihrer Funktion und Begleitung gehen will, kann soll und darf. Sollte es „nur“ um die Information des rechtlichen status quo gehen oder würde z.B. auch die Weitergabe von Kontaktadressen (etwa eines Sterbehilfevereins) zur Beratungsarbeit gehören? Durch Fallgeschichten, rechtliche Kommentare, Erfahrungen aus dem Ausland und Diskussionen in Breakout-Gruppen wurde ein intensiver Austauschs über ein komplexes und kontroverses Thema geschaffen, das grundsätzliche Fragen der Haltung und (beruflichen) Werte aufwirft.

Die Tagung fand in Zusammenarbeit mit der Akademie für Ethik in der Medizin e.V. und dem Zentrum für Ethik in der Medizin am Agaplesion Markus Krankenhaus, Frankfurt/M. statt.

I Never Told You

 Lichtinstallation

Evangelische Akademie Frankfurt
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Die Idee, dass die Akademie sich mit ihrem Haus am zentralen Standort am Römerberg an einer LUMINALE beteiligt, liegt eigentlich auf der Hand. Und dennoch: für die LUMINALE 2022 gab es erstmalig ein konkretes Konzept. Und dann wurde die LUMINALE offiziell abgesagt – pandemiebedingt. Doch zu diesem Zeitpunkt waren schon mehr als zwei Jahre Mühe, Planung und Ideen in das Projekt eingeflossen, so dass sich alle Beteiligten dazu entschieden, die Installation trotzdem wie geplant umzusetzen.

Entwickelt wurden das Konzept im Rahmen eines Seminars der hochschule darmstadt im FB Architektur/Innenarchitektur. Begleitet wurde das Seminar von Hochschulprofessor/innen sowie Lehrbeauftragte einerseits, von Vertreter/innen der beteiligten Institutionen andererseits: Atelier Markgraph, EKHN-Stiftung, Dr. Arthur Pfungst-Stiftung sowie der Evangelischen Akademie. In gemeinsamen Veranstaltungen und Workshops konnten sich die Studierenden aus unterschiedlichen Disziplinen heraus mit dem Begriff der Transparenz befassen und daraus eigene Ideen für eine Installation in der Akademie entwickeln. In einer Jury-Sitzung wurde schlussendlich aus fünf Entwürfen einer ausgewählt und bis zur Umsetzung weiter begleitet und betreut. Eine Gruppe von Studierenden war hierbei maßgeblich beteiligt.

Die Idee der Installation orientierte sich an dem Begriff des Geheimnisses als ein gegenteiliger Begriff zur Transparenz. Das Verhältnis dieser beiden Begriffe zueinander birgt ebenso Ambivalenzen wie der Umgang mit oder der Blick auf Geheimnisse selbst. Diese unterschiedlichen Gefühle und Gedanken griff die Installation auf und machte sie bei einem Gang durch das Haus erlebbar.

Am 11.3.2022 wurde die Lichtinstallation „I NEVER TOLD YOU“ eröffnet. Der Förderverein der Evangelischen Akademie Frankfurt als Förderer des Projekts wurde dazu exklusiv eingeladen.